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Brandanschlag auf die Ausländerbehörde
18.06.2012
Stadtmitte Auf die Rostocker Ausländerbehörde ist in der Nacht zum Sonnabend ein Brandanschlag verübt worden. Bereits in der Nacht zuvor war das Gesundheitsamt Ziel einer Attacke geworden, die Polizei vermutet einen Zusammenhang zwischen beiden Taten. Die Täter waren jeweils vermummt und flüchteten.
Wie die Polizei mitteilte, ging am frühen Sonnabendmorgen gegen 1.45 Uhr ein Notruf in der Leitstelle ein. Der Anrufer teilte mit, dass der Eingangsbereich der Ausländerbehörde in der Straße "An der Hege" hinter dem Rathaus in Flammen stehen soll. Als die ersten Feuerwehrleute und auch die Polizei am Einsatzort eintrafen, brannte der Bereich bereits lichterloh.
Die Kameraden der Berufs- sowie der freiwilligen Feuerwehr konnten nicht mehr verhindern, dass sich das Feuer weiter in das Gebäude vorarbeitete. "Der Brand griff vom Eingangsbereich auf die Flure über", heißt es im Polizeibericht.
Noch während der Löscharbeiten entdeckten die Einsatzkräfte vor dem Eingang verbrannte Reifenteile. Diese wurden offensichtlich bewusst vor die Tür gelegt und angesteckt. Wie die Polizei weiter berichtete, hätten Zeugen zudem beobachtet, wie mehrere schwarz gekleidete und vermummte Personen vom Ereignisort, der Ausländerbehörde, flüchteten.
Mehrere uniformierte und zivile Beamte begannen sofort mit der Fahndung nach den Tätern. So suchten sie unter anderem den Hinterhof eines Frisörs in der Großen Wasserstraße ab - alles ohne Ergebnis. Die Täter konnten im Schutz der Dunkelheit entkommen.
Bereits in der Nacht zuvor hatten bislang Unbekannte das Gesundheitsamt in der Paulstraße angegriffen. Dort zerstörten sie neun Fensterscheiben durch Steinwürfe. Zeugen beobachteten vier schwarz gekleidete, mit Sturmhauben Vermummte, die kurz nach der Tat flüchteten. Aber auch hier konnte die Polizei die Täter trotz groß angelegter Fahndung nicht stellen.
Der Schaden, der beim Brand an der Ausländerbehörde entstand, wird auf mehrere Zehntausend Euro geschätzt. Wie die Stadtverwaltung gestern mitteilte, bleibt die Dienststelle heute geschlossen.
Die Polizei vermutet zwischen beiden Taten einen Zusammenhang mit einer Kampagne, die sich gegen die Abschiebung eines Asylbewerbers nach Norwegen richtet (die OZ berichtete).
Unterdessen hat sich auch Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling zu Wort gemeldet und die Anschläge verurteilt. "Verwaltungsentscheidungen können in einem demokratischen Staat nicht mit Gewalt erzwungen oder geändert werden", sagte er.
Inzwischen hat das Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern die Ermittlungen aufgenommen.
Protest gegen Abschiebung
Am 7. Juni ist der Afghane Ali Reza Samadi (26) aus dem Asylbewerberheim in der Satower Straße durch Beamte abgeholt worden, um nach Norwegen abgeschoben zu werden, woher er nach Deutschland eingereist war.
Dies brachte verschiedene Menschenrechtsgruppen auf den Plan, die am 14. Juni gegen die Abschiebung von Ali Reza Samadi protestierten, seine unverzügliche Rückkehr nach Deutschland und die Aufklärung seiner umstrittenen Abschiebung forderten.
Die Polizei schließt einen Zusammenhang zwischen Teilnehmern der Demonstration und den Anschlägen nicht aus. Die Teilnehmer kamen aus unterschiedlichen Initiativen.
Aufgerufen dazu hatten die Initiatoren einer Kampagne, die sich "Stop it! Rassismus bekämpfen, alle Lager abschaffen" nennt.
Die Kampagne hat sich mit einer Presseerklärung von den gewalttätigen Anschlägen distanziert.
Stefan Tretropp
Ostseezeitung-Rostock
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