Ein Märchen gegen Nazis
Deutschland ohne Ausländer? Neustrelitzer Gymnasiasten zeigen in dem Film "Drei Wünsche", wie absurd diese Idee ist.
07.06.2012
Was passiert, wenn drei Nazis machen können, was sie wollen? Darauf gibt der Film "Drei Wünsche" eine überspitzte Antwort: Es entsteht ein Deutschland ohne ausländische Einflüsse, es herrschen mittelalterliche Verhältnisse, weil alles germanisch ist. Die Initiatoren des Projektes sind Schüler des Neustrelitzer Gymnasiums Carolinum. Ihr Team heißt Karlotta.Films. Gemeinsam mit dem Kunsthaus ihrer Stadt haben sie unter der Leitung von Schauspieler und Regisseur Arno Sudermann die Idee und das Drehbuch entwickelt.
Die Geschichte: Eine Fee gibt dem Nazi David, gespielt von Alexander Flache, drei Wünsche frei. Zunächst will er einen Heimtrainer, um zu sehen, ob es tatsächlich funktioniert. In einem abgelegenen Industriegebiet in Wesenberg (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte), dem Haupt-Drehort, pufft es, Rauchschwaden ziehen durch die Luft. Plötzlich steht die Rudermaschine da. Sofort stürzt sich Ronnie (Volker Wackermann), der Anführer der Truppe, auf die Maschine und probiert sie euphorisch aus. Seine beiden Kumpels Karl und David schauen zu. Nach einer Weile merken sie, was sie durch die Fee eigentlich für eine Macht haben.
"Überleg doch mal, was wir dann alles erreichen können? Die ganzen Bimbos, Türken und Molukken sind auf einmal alle weg!", sinniert Karl, gespielt von Robert Bittner. Er symbolisiert den intellektuellen Anführer der Gruppe. Sein Äußeres passt dazu: schwarze Stoffhosen, braunes Hemd, schwarze Krawatte, Seitenscheitel. Ronnie hingegen ist der Boss der Truppe: 1,95 Meter groß und kräftig. Mit seiner Glatze und den Tätowierungen wirkt er bedrohlich. "Wir haben bei der Besetzung darauf geachtet, dass die Figuren auch optisch genau zu den Charakteren der Rollen passen", sagt Produktionsleiterin Diana Olbert. Die 22-Jährige stammt aus Neustrelitz und studiert Germanistik in Erfurt. Vor Drehbeginn von "Drei Wünsche" hat sie sich zum Beispiel um die entsprechenden Genehmigungen gekümmert, hat das Catering organisiert und eine günstige Verleihfirma in Berlin ausfindig gemacht, die hochwertige Kamera- , Licht- und Tontechnik zur Verfügung stellt. "Alles soll so professionell wie möglich ablaufen. Dazu gehören zum Beispiel auch Dazu gehören beispielsweise Lampen für die richtigen Lichtstimmungen und ein Kamerakran, der Aufnahmen aus der Höhe erlaubt. Wir hatten auch einen Dolly, mit dem wir die Kamera auf Schienen bewegen können", sagt Diana. Sie sorgte auch dafür, dass Karlotta.Films eine Pressemappe mit Fotos und Texten hat.
Auch die drei Hauptdarsteller sind Profi-Schauspieler. "Mich hat die Rolle des Karl gereizt. Er vermittelt auf subtile Art die rechte Ideologie an seine Freunde. Damit lote ich auch meine Grenzen aus", sagt Robert Bittner (35), der Schauspiel in Berlin studiert hat.
Alles am Set ist genau durchgeplant. Auf dem Tisch stehen extra designte Bierflaschen der Marke "Teutonen-Bier". An der Wand hängt ein Wahlplakat der fiktiven Nationalen Deutschen Partei NDP. "Wir wollten, dass alles echt aussieht", sagt Konrad Wauer. Der 18-jährige Abiturient ist bei "Drei Wünsche" unter anderem für Kamera und Ton zuständig.
Das Neustrelitzer Projekt ist das ambitionierteste unter den zehn Gewinnern von "Klappe gegen Rechts". "Unser Gesamtbudget liegt bei 7000 Euro", sagt Konrad. Davon stammen 4000 Euro von der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie Mecklenburg-Vorpommern e.V., einem Träger des Wettbewerbes. Der Rest stammt vom Lokalen Aktionsplan LAP, einem Bundesförderprogramm für Demokratie auf lokaler Ebene und von von privaten Sponsoren. Das Team von Karlotta.Films hat sich selbst um diese Co-Finanzierung gekümmert.
Ostseezeitung
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