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Gedenken: Wo einst tödliche Schüsse fielen

Im Anklamer Wehrmachtsgefängnis ist die einstige Hinrichtungsstätte neu gestaltet worden. Etwa 4000 Euro sind in das Projekt geflossen.

05.06.2012

Ueckermünde/Anklam."Hier wurden sie erschossen." Professor Stephan Tanneberger, Vorsitzender des Zentrums für Friedensarbeit, weist auf den hölzernen Pfahl im Hof hinter dem Anklamer Wehrmachtsgefängnis. Einst führte ein Verbindungsgang von den Zellen im Kellergeschoss direkt auf dieses Gelände. Im Laufe der Jahrzehnte allerdings sind Teile dieses Gebäudetraktes abgerissen und stellenweise neu bebaut worden.

Nun führt ein neu gestalteter Pfad, der von Pflanzenkübeln gesäumt wird, an jene Stelle, wo von 1941 bis 1945 weit über 100 zum Tode verurteilte Wehrmachtsangehörige erschossen wurden. "Schwer vorstellbar, wie den jungen Männern zumute gewesen sein muss, wenn sie hierher geführt wurden."

Tanneberger und seine Begleiter, ebenfalls Mitglieder des Kuratoriums der Stiftung des Zentrums für Friedensarbeit mit der Landrätin Barbara Syrbe an der Spitze, sehen stumm auf den mahnenden schlichten Holzpfahl, auf dem als "Zeichen für Hoffnung und Zukunft" eine regenbogenfarbene Friedensfahne weht. In die Neugestaltung des Areals flossen rund 4000 Euro.

Geld, das aus Sicht der Stiftung gut angelegt ist. "Zu Ehren der Opfer war das dringend notwendig. Viele Besucher - darunter oft auch Angehörige der Hingerichteten - hatten immer wieder den Wunsch, die Stelle zu sehen, an der die tödlichen Schüsse fielen." Nun gibt es diesen Ort des Gedenkens und der Rückbesinnung.

In weiße Papieranzüge gesteckt, das Herz mit roter Farbe markiert, die Hände auf dem Rücken an einem Holzpfahl festgebunden, warteten die Opfer damals auf die tödlichen Schüsse. Von 1941 bis 1945 starben hier junge Menschen, die nicht mehr auf andere schießen wollten, die den Krieg satt hatten oder deren Gesinnung den Nazis nicht passte. Die Gründe für die Todesurteile sind vielfältig - gerechtfertigt ist keiner.

Die erste Hinrichtung im Anklamer Wehrmachtsgefängnis fand am 1. April 1941 statt. Der Soldat Georg Schadewald ließ an jenem Tag sein Leben - nach ihm folgten 134 junge Männer - der letzte, Hans Jessel, starb am 26. April 1945. "Diese 134 sind uns namentlich bekannt", erklärt Tanneberger. Allerdings gehen Fachleute von etwa 170 Hingerichteten aus. Doch dazu fehlen noch entsprechende Daten und Unterlagen. "Für die weitere Aufarbeitung der Geschichte des ehemaligen Wehrmachtsgefängnisses sind wir auf vielfältige Informationen angewiesen." Tanneberger hofft auf die Unterstützung auch aus der Bevölkerung. "Vielleicht gibt es ja noch irgendwo Unterlagen, die wir nutzen können."

Kontakt:info@friedenszentrum-anklam.de oder Telefon: 03971293427

Nordkurier-Anklam

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