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Neukloster unterm Hakenkreuz: Neue Ausstellung will mahnen

Offizielle Eröffnung im Museum heute um 16.30 Uhr. Robert Levetzow aus dem Vereinsvorstand hat viele private Dokumente zur Verfügung gestellt.

31.05.2012

Neukloster "Das war für uns die schwierigste Aufgabe bisher", sagt Robert Levetzow aus dem Vorstand des Neuklosteraner Museumsvereins über die Ausstellung "Neukloster unterm Hakenkreuz", die heute um 16.30 Uhr im Museum von Neukloster eröffnet wird. "Die Quellenlage war nicht günstig. Die Leute haben nach dem Krieg, um nicht geschnappt zu werden, alles verbrannt." Er selber hat jedoch zahlreiche Fotos, Zeitschriften und andere Dokumente über die Jahrzehnte hinweg gerettet und für die Ausstellung zur Verfügung gestellt.

Zum Beispiel eine Bedienungsanleitung für eine Panzerfaust, die gegen Ende des Krieges im "Rostocker Anzeiger" erschienen war. "Was mich besonders bewegt, ist die Ausdrucksweise", sagt er und deutet auf den Satz "Du sollst den Feind nicht fürchten, sondern alles aufbieten, um ihn umzulegen". Das sei "richtiges Nazi-Deutsch". Eine Beilage zu einer Kinderzeitschrift aus Kriegszeiten hat Robert Levetzow ebenfalls aufbewahrt. "Sei stets bereit und denke dran, daß heut der Tommy kommen kann", ist dort zu lesen, gefolgt von Hinweisen, dass im Falle einer Bombardierung sofort der Luftschutzkeller aufzusuchen sei. Der 84-Jährige blickt traurig auf den vergilbten Zettel und spricht von der "zerschossenen Kindheit". Im Alter von 15 Jahren sei er selbst als Luftwaffenhelfer zur Flak eingezogen worden, fügt er hinzu.

Die schwarz-weißen Fotos aus der Zeit des Kriegsendes hat er aus der ehemaligen Kreisbildstelle Wismar gesichert, in der er 42 Jahre lang gearbeitet hat: Aufnahmen von Flüchtlingstrecks in Neukloster, britischen Soldaten in Wismar oder vom Rückzug der Wehrmacht. Auch die Zeitschriften "Die Wehrmacht, herausgegeben vom Oberkommando der Wehrmacht" stammen aus seinen privaten Beständen.

"Das aufzuheben, war nicht ganz ungefährlich", sagt er.

Die Texte auf den 13 Informationstafeln der Ausstellung beschreiben die Zeit seit der Weimarer Republik bis zum Kriegsende. "Wir wollen eine Antwort darauf geben, wie es überhaupt zum Nationalsozialismus gekommen ist. Es gibt heute Tendenzen, dass sich das alles wiederholt", so Levetzow. "Wir versuchen, Parallelen aufzuzeigen. Unser Hauptziel ist zu mahnen. Sich nicht einlullen zu lassen."

Er gehörte der Arbeitsgruppe an, die die Texte zusammengetragen oder verfasst hat. Ebenso wie Heinrich Ripke, Vorsitzender des Museumsvereins, der erklärte: "Die Idee zu dieser Ausstellung ist im Vorstand geboren worden. Maßgeblichen Anteil hatte aber Robert Levetzow." Auch Jürgen Köchel und Evi Spalkhaver wirkten seit Ende 2009 bei den Vorbereitungen mit. Heidi Fibian las die Texte anschließend noch einmal kritisch durch, bevor sie auf die Tafeln kamen.

Bereits für eine frühere Ausstellung hatte Modellbauer Bruno Zietek (86), auch Mitglied im Museumsverein, originalgetreu und maßstabsgerecht eine Szene nachgebildet, die sich am 3. Mai 1945 in Neukloster abgespielt hat: "Russische Panzer kamen aus Richtung Bützow und standen vor der Panzersperre, die vor dem Waldhotel aufgebaut war", beschreibt Levetzow. "Die Neuklosteraner waren vernünftig genug, die Sperre aufzulassen. Stattdessen sind sie den Russen entgegengegangen und gaben ihnen auf: ,In Neukloster wird nicht geschossen.' Diese Leute haben Neukloster vor der Zerstörung bewahrt. Wenn sie die Panzersperre geschlossen hätten, wären sie sofort erschossen worden." Dieses sowie ein weiteres Modell eines Flak-Geschützes von Michael Biba aus Wismar sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen, dienstags bis sonnabends von 10 bis 16 Uhr. Über die Dauer der Ausstellung konnte Heinrich Ripke noch nichts sagen: "Wir haben so intensiv daran gearbeitet, dass wir noch nicht einmal ein Thema für unsere nächste Ausstellung haben."

Ulrike Oehlers

Ostseezeitung-Wismar

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