Bürgermeister fordert dazu auf, weiter weltoffen und tolerant zu sein
Stefan Weigler: Die Aufnahme von Asylbewerbern sollte sich an der gelungenen Integration von Spätaussiedlern orientieren.
15.05.2012
Wolgast Dass die alte Herzogstadt den Titel "Ort der Vielfalt" trägt, ist weit mehr als ein politisches Zeichen. Tatsächlich ist es den Bürgern, Vereinen, Unternehmen und Lokalpolitikern in der Vergangenheit gut gelungen, annähernd 500 Spätaussiedler aufzunehmen. Mehr als 400 von ihnen - aus Russland, Kasachstan, Armenien, Weißrussland und Aserbaidschan - sind geblieben, wohnen heute Tür an Tür mit Wolgastern. Und sie fühlen sich zunehmend wohl in der Stadt am Peenestrom.
Um die Integration der "Neulinge" kümmert sich seit 2007 der Verein Korni. Und deren Chefin, Raisa Dadik, sitzt inzwischen sogar als Nachrückerin im Wolgaster Stadtparlament, nimmt die Interessen ihrer Mitmenschen wahr, kümmert sich um wirksame Hilfen bei Behördengängen, bei der Überwindung der Sprachhürden und ganz speziellen Veranstaltungen.
"Von daher sind wir guter Dinge, dass die Bürger unserer Stadt auch jetzt, da Asylbewerber aus Krisengebieten zu uns kommen, tolerant und weltoffen sind", formuliert Bürgermeister Stefan Weigler. Die Zuweisung sei - auf Grundlage des Flüchtlingsaufnahmegesetzes - durch Landesamt und Kreis vorgegeben. Bei der Umsetzung sind nun aber nicht nur Stadt und WoWi GmbH, sondern möglichst alle Einwohner der gefordert. "Wer die schrecklichen Bilder aus den Straßen Syriens, Pakistans oder Kriegsgebieten Afrikas sieht, dem ist doch klar, dass wir den Menschen helfen müssen", glaubt Weigler an Verständnis der Wolgaster.
Mieter, die zugunsten der Flüchtlinge innerhalb der Stadt umziehen, hätten dies bereits bewiesen. Für die offene Art und Weise, wie man miteinander geredet und nach Lösungen gesucht habe, bedankt sich der Bürgermeister bei den Bewohnern der Baustraße 40 bis 48 bereits jetzt. Und er versichert ihnen, dass die Kommune auch stets deren besondere Umstände berücksichtigen und Hilfe gewähren werde. Die ersten Umzüge finden bereits in der nächsten Woche statt.
Um im weiteren Verfahren - die ersten Asylbewerber werden Ende Juni erwartet - ein reibungsloses Miteinander zu gewährleisten, soll es ein gemeinsames Gremium geben, das das Vorgehen koordiniert. Die Rede ist von Sozialarbeitern, Streetworkern und Integrationsbeauftragten.
Selbstverständlich werden auch Sicherheitsvorkehrungen durch Polizei und Wachschutz getroffen. Allerdings ist heutzutage eine solche Einrichtung nicht mehr abgesperrt, dürfen sich die Flüchtlinge in der Stadt frei bewegen. Da nicht nur ganze Familien, sondern auch Einzelpersonen kommen, müssen die Innentüren der Wohnungen verschließbar gemacht und größere Waschküchen in den Kellern eingerichtet werden.
Ostseezeitung-Usedom
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