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Viele Migranten sind wütend

Kritik nach Votum gegen einen Mehmet-Turgut-Weg.

11.05.2012

Dierkow Skandalös, instinktlos, bedauerlich: Die Entscheidung des Ortsbeirats Dierkow Ost-West gegen eine Umbenennung des Neudierkower Wegs in Mehmet-Turgut-Weg wird auch außerhalb Rostocks kritisiert.

"Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Migranten in der Hansestadt", schimpft Dr. Hikmat Al-Sabty, migrationspolitischer Sprecher der Linken im Landtag. Dass eine solche Entscheidung zudem "ausgerechnet am 8. Mai" - dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus - getroffen wurde, zeuge von "Instinktlosigkeit und wenig Weltoffenheit" der Ortsbeirats-Mitglieder. Vor dem Hintergrund des 20-jährigen Gedenkens an die Nazi-Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen sei die Entscheidung "kein Ruhmesblatt".

Eva-Maria Kröger, Fraktionsvorsitzende der Linken in der Bürgerschaft, sprach ebenfalls von einer "bedauerlichen Entscheidung". Ihre Fraktion reichte den Gedenkstraßen-Antrag ein, doch selbst die beiden Linken-Politiker im Ortsbeirat stimmten dagegen - und kippten somit den Plan. Das sei "ein falsches Signal", trotzdem akzeptiere sie die "unabhängige Entscheidung" und wolle keinen weiteren Antrag zur Umbenennung des Neudierkower Wegs stellen. Nach Angaben von Liane Melzer (SPD), der zweiten Stellvertreterin des Oberbürgermeisters, akzeptiert auch die Stadt das Votum.

Der Migrantenrat und Vertreter interkultureller Vereine zeigen sich resigniert. "Das hat nicht nur Bedeutung für Rostock, sondern betrifft ganz Deutschland", sagt Rubén Cárdenas. Auch Imam Jonas Dogesch, einer der Initiatoren einer Gedenkstraße für den 2004 ermordeten türkischen Imbissbudenbetreiber, kritisierte, dass "man wohl keine Zeichen setzen will". Eine Gedenktafel ist hingegen beschlossene Sache.

Björn Wisker

Ostseezeitung-Rostock

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