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Linke und rechte Sprayer toben sich in Greifswald aus
Genies sind selten. Nicht jeder, der in Greifswald mit Farben hantiert, ist also ein großer Künstler. Meist handelt es sich um Schmierfinken, die Hausfassaden oder Trafokästen beschädigen.
10.05.2012
Greifswald.Die Augen davor zu verschließen - das ist unmöglich. Wer in der Hansestadt unterwegs ist, sieht die "Kunstwerke" quasi an jeder Ecke. Vieles von dem, was vereinfachend als Graffiti bezeichnet wird, hat, zumindest auf den ersten Blick, auch noch einen politischen Hintergrund. Aktivisten, die als Linke einerseits und Faschos andererseits gehandelt werden, liefern sich an Greifswalder Hauswänden ideologisch untersetzte Materialschlachten. Da erklären die einen den Straßenzug zur "nazifreien Zone". Die anderen fordern "linke Zecken raus".
Wie ernst diese Bekundungen zu nehmen sind, ist zuletzt am 1. Mai 2011 deutlich geworden, als eine genehmigte NPD-Demo zur Herausforderung nicht nur für Demokraten, sondern auch für gewalttätige Autonome wurde. Die Polizei, auf deren Rücken derartige Ausschreitungen meist ausgetragen werden, drückt bei Graffiti-Schmierereien nicht die Augen zu. Aber diese Vergehen führen eben nicht zu blauen Augen. Unlängst wurde bekannt, dass zwei Drittel der in der Region in dieser Sache gemachten Anzeigen aus Greifswald kommen. Polizeisprecher Axel Falkenberg erklärte die Hansestadt zur Hochburg für Graffiti-Vergehen.
Damit hat es mit offenen Auseinandersetzungen verfeindeter politischer Gruppierungen aber kein Ende. In der vergangenen Woche wurde mithilfe eines Feuerlöschers die Hausfassade des linksorientierten Interkulturellen Wohnprojektes (IKUWO) großflächig mit rotbrauner Farbe beschmiert und im Eingangsbereich des Hauses übel riechende Buttersäure ausgebracht.
Nach den Beschreibungen von Augenzeugen werden die Täter im Umfeld der Nationalen Sozialisten Greifswald (NSG) vermutet. Hinter dem Schmieranschlag auf den Hauseingang der Linken Landtagsabgeordneten Mignon Schwenke Ende März stecken offenkundig die Autonomen Nationalisten Greifswald (ANG). Sie hinterließen dort die Drohung: "Mauermörder-Linkspartei! Schwenke wir kriegen dich!"
Eine weitere Gruppe der Schmierfinken stellen vermeintliche Fans des Rostocker FCHansa. Neben der grimmigen Grimasse, die mithilfe einer Schablone an die Hauswände gebracht wird, verunzieren diese Leute auch Lichtmasten mit ähnlich aussehenden Aufklebern. Sie und die anderen verursachen einen erheblichen Schaden, mit dem die Hauseigentümer zumeist allein gelassen werden. Die Idee der Stadtwerke Greifswald, durch anspruchsvolle Auftrags-Graffitis Flächen zu schützen, geht offensichtlich nicht auf. Immer häufiger werden sie von illegalen Sprayern verunstaltet. Davor ist auch die Sprühkopie "Mondaufgang über dem Meer" nach Caspar David Friedrich nicht sicher, die eine rückwärtige Hauswand in der Nähe des Domes ziert.
Nordkurier-Greifswald
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