Fridericianer erforschen Todesmarsch
01.02.2012
"Es gibt Dinge, die sollten nicht vergessen werden, und die Menschen, die uns davon erzählen können, werden immer weniger", sagt Geschichtslehrerin Christine Kindt vom Gymnasium Fridericianum. Deshalb regt sie seit Jahren ihre Schüler an, Geschichte projektbezogen zu erforschen. Ein Herangehen, das Früchte trägt. Ausstellungen für das Festival "Verfemte Musik" beispielsweise erregten Aufmerksamkeit bis in die USA, die Fridericianer wurden sogar nach Los Angeles eingeladen.
Ihr neuestes Projekt stellten die geschichtsinteressierten Gymnasiasten gestern vor: einen Dokumentarfilm über den Todesmarsch der Häftlinge des KZ Sachsenhausen, der in Schwerin mit der Befreiung der Überlebenden im Mai 1945 sein Ende fand. "Wir haben mit Unterstützung unserer Geschichtslehrerin und der Journalistin Elvira Grossert viele Informationen zusammengetragen, Dokumente der Zeitgeschichte ausgewertet und Zeitzeugen befragt", berichteten die Schülerinnen Paula Schwabe, Tabea Maltry und Josi Dehn aus der Klasse 10b. Nach einem Besuch des KZ Ravensbrück vor eineinhalb Jahren waren bei ihnen viele Fragen zu den Todesmärschen der Häftlinge offen geblieben. Die Gruppe suchte Zeitzeugen, die SVZ half. "Wir haben mit 14 Zeitzeugen Gespräche geführt", erzählte Paula. Einige davon wurden auch mit der Videokamera aufgezeichnet. Es sind authentische Erinnerungen an die Geschehnisse Ende April, Anfang Mai in Schwerin, von denen die damals jungen Leute heute berichten.
Höhepunkt ihrer Forschungsarbeit aber war die persönliche Begegnung mit einem ehemaligen KZ-Häftling, der den Todesmarsch überlebt hat und heute in Israel wohnt: Zwi Steinitz. Er besuchte die Fridericianer und erzählte von seinen Erinnerungen an die Zeit im KZ, den Todesmarsch und die Befreiung vor den Toren Schwerins. Das alles haben die Schüler in ihrem Dok-Film festgehalten.
"Wir haben die Schüler unterstützt bei ihrer Idee, aus dem Material einen Film zu machen, haben finanzielle Mittel über das Programm "Zeitensprünge" der Stiftung demokratische Jugend und des Stadtjugendringes akquiriert ", sagte Regina Villwock, Geschäftsführererin des Stadtjugendringes. Das Ergebnis ist ein 16-minütiger, spannender Streifen auf DVD. "Wir möchten unsere Arbeitsergebnisse auch anderen Schülern vorstellen, sie anregen, ebenfalls auf Spurensuche in ihrer Region zu gehen und sich mit der NS-Zeit auseinanderzusetzen", sagte Josi. "Denn das alles, was wir herausgefunden haben, ist hier in Schwerin geschehen, nicht irgendwo im fernen Berlin." Die Schüler hoffen, dass ihr Dok-Film Eingang in den Unterricht vieler Schulen findet. Er kann per Mail unter info@schwerinerjugendring.de angefordert werden.
Schweriner Volkszeitung-Schwerin
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