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NPD macht Front gegen Ex-Häftling
01.09.2010
Ferdinandshof (wil). Die NPD nutzt die politische Diskussion um die Sicherungsverwahrung aus, um die Aufmerksamkeit der vorpommerschen Öffentlichkeit auf sich zu lenken. Für den 4. und 11. September hat die "Initiative schöner Wohnen" stellvertretend für die rechtsextreme Partei eine Mahnwache sowie eine Demonstration in Ferdinandshof (Uecker-Randow-Kreis) angemeldet, bestätigte der Sprecher des Pasewalker Landratsamtes, Achim Froitzheim. Beide Veranstaltungen seien genehmigt worden. Die NPD spekuliert mit mehr als 100 Anhängern und Sympathisanten. Als Redner sind die NPD-Landtagsabgeordneten Udo Pastörs und Tino Müller avisiert.
Hintergrund der Aktivitäten: Obwohl es anders als in vergleichbaren Fällen der Vergangenheit im Müritzkreis und der Uckermark keine wahrnehmbare öffentliche Erregung über die Anwesenheit eines aus der Forensik Ueckermünde entlassenen Mannes gab, versuchte die rechte Szene seit April, gegen ihn aufzuwiegeln. Der 34-Jährige hatte zehn Jahre Haft verbüßt, unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs und Diebstahls. Vor der mutmaßlichen Wohnung des Mannes in Ferdinandshof tauchte im Frühsommer ein Plakat auf mit dem Inhalt: "Hier wohnt ein Kinderschänder!" Der Mann wohnte indes zwei Häuser weiter. Laut Regina Krüger-Fincke, Mitarbeiterin im Anklamer Regionalzentrum für Demokratische Kultur (RAA), entspricht es der NPD-Strategie, Themen, die in der Bevölkerung so emotional wie das etwa Kindesmissbrauch diskutiert werden, propagandistisch zu instrumentalisieren. Sie forderte die Politiker im Uecker-Randow-Kreis auf, sich des Themas offensiv anzunehmen, es tunlichst nicht totzuschweigen. Es sei inakzeptabel, dass Rechtsextreme ein Klima der Lynchjustiz entfachten.
Laut Landrat Volker Böhning (parteilos) bestand keine Möglichkeit, die beiden NPD-Veranstaltungen zu verbieten. Ferdinandshofs Bürgermeister Gerold Seidler (CDU) kündigte an, dass seine Gemeinde dem Treiben nicht tatenlos zusehen werde. Er rief seine Mitbürger auf, sich als "Verfechter der demokratischen Ordnung" zu präsentieren. Zu den Errungenschaften der Demokratie gehöre auch das Verbot von Todesstrafe und jeglicher Selbstjustiz.
Nordkurier
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