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"Mallentin - Neonazis feiern, Polizei schaut zu"
Mehrere hundert Neonazis bei Rechtsrock-Konzert in Mallentin bei Grevesmühlen - Polizei anwesend, aber untätig
26.10.2008
Eine Pressemitteilung der Antifa Wismar von heute.
Im nordwestmecklenburgischen Mallentin versammelten sich in der gestrigen Nacht mehrere hundert Neonazis zu einem rechten Szene-Konzert in einer Halle des Dorfes. Obwohl die Polizei seit Tagen über ein solches Großereignis in Mecklenburg-Vorpommern informiert sein müsste, blieb sie weitgehend untätig: Weder wurde das Konzert abgebrochen, noch wurde die Umgebung gegen gewalttätige Neonazis abgesichert oder fanden überhaupt Vorkontrollen der angereisten Besucher statt. Während vor dem Gelände nur eine Handvoll Beamte postiert waren, standen Einsatzkräfte im nahen Grevesmühlen nur in Bereitschaft. Erst nach Ende des Konzertes, so beobachteten Antifaschist/innen, war die Polizei etwas präsenter.
Rechtsrock-Konzerte haben eine immense Bedeutung für die Neonazi-Szene. Über die Veranstaltungen, auf denen rechte Hass-Propaganda musikalisch transportiert wird, geraten gerade Jugendliche in das Milieu. Alten Kadern dienen sie als Treffpunkt zur Verabredung gemeinsamer Aktivitäten, und mit den Eintrittsgeldern sowie Verkaufsständen werden hohe Gewinne gemacht. Zugleich kommt es immer wieder zu Straftaten: Sei es, dass von der Bühne oder aus dem Publikum volksverhetzende Parolen gegröhlt oder, wie erst im August in Rostock, Polizeibeamte von den Neonazis angegriffen werden.
Eine besondere Bedeutung könnte das Konzert in Mallentin durch den angekündigten Auftritt von Michael Regener bekommen. Der in der Szene populäre und auch unter dem Namen "Lunikoff" bekannte ehemalige Sänger der Rechtsrock-Combo Landser ist erst vor kurzem aus dem Gefängnis entlassen worden, nachdem er wegen seiner radikalen Texte eine mehrjährige Freiheitsstrafe verbüßen musste. In den Texten von Landser hatte die Band regelmäßig zur Gewalt bis hin zum Mord an Menschen nicht-deutscher Herkunft, Juden oder Linken aufgerufen.
"Rechtsrock ist nicht weniger als die Begleitmusik zu Mord und Totschlag", kommentiert Silvio Maifeld, Pressesprecher der Antifa Wismar, das Konzert in Mallentin. "Dass die Polizei zuschaut und Karten spielt, während Neonazis feiern, dass sie weder das Konzert zu verhindern versucht noch die Besucher im Vorfeld kontrolliert oder die Öffentlichkeit informiert, ist ein Skandal. Jegliche neuen Pläne des Innenministers gegen Rechts verkommen zur Luftnummer, wenn seine Beamten schon jetzt nicht einmal bestehende Gesetze anwenden und Spielräume ausnutzen können."
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