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Ein Opfer der Bewegung
Am Dienstag wurde der Neonazi Robert Rupprecht in Grimmen vom Vorwurf der Sachbeschädigung freigesprochen. Er hatte einen seiner Kameraden als den eigentlichen Täter vorgeführt.
25.05.2006
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| Robert Rupprecht, 640x480, 81 KB |
Wer für eine Sache kämpft, mag sich so mancher Neonazi denken, gerät schonmal in Konflikt mit dem bösen System. Wie Robert Rupprecht etwa. Körperverletzung, Raub, Diebstahl, Betrug, Widerstand gegen Polizeibeamte, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen - der Neonazi aus Stralsund kann auf ein langes Vorstrafenregister zurückblicken. Am Dienstag stand er in Grimmen wegen Sachbeschädigung vor Gericht, weil er im Rahmen einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der Weltkriege im vergangenen Jahr ein Gebinde der PDS angezündet haben sollte. Doch Rupprecht scheint nicht darauf erpicht zu sein, als Berufskrimineller im Kreis seiner Gesinnungsgenossen zu Berühmtheit zu gelangen. Er schob die Tat lieber einem seiner Kameraden zu, der auch flugs seine Schuld eingestand und somit dem Stralsunder einen Freispruch bescherte.
Rupprecht mag es in der provinziellen Idylle Nordvorpommerns. Mit diletantischen Aktionen wie der zusammenkopierten "Schülerzeitung" Avanti schafft er es regelmäßig, die überschaubare Öffentlichkeit des Landstrichs in Aufregung zu versetzen. In den örtlichen trinkfesten und auch gerne mal um sich schlagenden rechten Cliquen hat er ein Publikum gefunden, das seine Agitation gegen die bösen Bonzen, die ausschweifenden Ausländer und die zickigen Zecken mehr geduldig als begierig aufnimmt. "Freundeskreis Avanti" hier, Gründung des "Bündnis Rechts Vorpommern" da, doch der nationale Aufschwung blieb bisher aus.
Man kann nur spekulieren, ob Rupprecht der nationalen Bewegung Nordvorpommerns neuen Antrieb geben wollte, als er und seine Pappkameraden am Volkstrauertag des vergangenen Jahres in Grimmen auftauchten und die städtische Gedenkveranstaltung zu stören versuchten. Vielleicht sollte mit dem Gebinde der PDS zugleich die Flamme der Revolte aufleuchten, gegen das System und die Beengtheit des eigenen Horizonts. Doch daraus wurde nichts, der Kranz glomm nur. Der Aufstand blieb aus, am Abend gings nach Haus.
Nichts also, mit dem man sich später mal brüsten könnte. Gut, dass sich der kleine Mathias N. als der eigentliche Täter fand, jemand, der wohl eher mit wenig angeben, aber sich für umso mehr schämen kann. Ein grandioser Freispruch für die Bewegung in Gestalt Robert Rupprechts also und ein Kollateralschaden, der ihm nicht mal der Rede wert ist. Aber Neonazis bringen bekanntlich gerne Opfer für ihre Sache. Und die nationale Idee schreitet unaufhörlich voran, heute in Grimmen und morgen vielleicht schon in ganz Nordvorpommern. Welt, sieh dich vor!
Links
Provokation am Gedenktag
Ostseezeitung-Grimmen vom 14.11.2005
http://www.links-lang.de/presse/3470.php
Polizei nimmt Rechte fest
Täter in Grimmen bereits vorbestraft
Ostseezeitung-Grimmen vom 15.11.2005
http://www.links-lang.de/presse/3477.php
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