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Das Zubrot vom Verfassungsschutz
Der Wolgaster NPD-Funktionär Christian Deichen wird mit Vorwürfen konfrontiert, für den Verfassungsschutz zu arbeiten.
24.05.2005
Man hat es nicht einfach als Neonazi. Selbst in Vorpommern nicht. Da mögen Antifaschist/innen noch so sehr über die dortige ausgeprägte rechtsradikale Szene klagen, die ihren Angehörigen sogar Arbeitsplätze beschaffen kann. Die vielen Kameraden, die es eigentlich nötig hätten, lassen sich in der von den ach so bösen Wessis und den noch viel böseren Globalisierern heruntergewirtschafteten Region nicht über die Runden bringen.
Da sollte es doch auch der konsequenteste Nationalsozialist seinem Volksgenossen nicht übel nehmen können, wenn dieser sich nach anderen Möglichkeiten umschaut, sein täglich Brot zu verdienen. Wie etwa der Möchtegern-Sonnyboy Christian Deichen, seines Zeichens NPD-Kreisvorsitzender von Ostvorpommern, Beisitzer im Landesvorstand der Partei sowie "Landesorganisations- und Koordinationsleiter von M-V". Da er als umtriebiger "selbständiger Gewerbetreibender in Wolgast" nicht so wirklich erfolgreich ist, scheint er sich beim Verfassungsschutz ein kleines Zubrot verdient zu haben.
So heißt es in einem Neonazi-Forum von einem Mitglied aus Bützow, dass Deichen mehrfach für den Geheimdienst gearbeitet und dafür Gelder bezogen hat. "So soll er über Kameraden berichtet und interne Infos über die nationalen Szene weitergegeben haben." Sogar ein angeblicher interner Vermerk des Verfassungsschutzes über Deichen, der auf seine Rolle in der Neonazi-Szene und die Bedeutung der von ihm gewonnenen Informationen eingeht, wird in dem Beitrag angeführt.
Dass Deichen, der sich regelmäßig im Internet bewegt und dort Beiträge verfaßt, bislang auf die Vorwürfe noch nicht eingegangen ist, dürfte das Mißtrauen seiner Kameraden steigern. Sind diese doch in der Regel nicht gut auf "Verräter" und "Spitzel", wie Informanten des Verfassungsschutzes bezeichnet werden, zu sprechen. Sie werden in ihrem politischen und persönlichen Umfeld isoliert und müssen auch mit gewalttätigen Übergriffen rechnen.
Christian Deichen dürfte somit in den ländlichen Weiten Ostvorpommerns, wo jede/r jede/n kennt, einen schweren Stand haben. Sollte er keine gute Antwort auf die Vorwürfe aus Neonazi-Kreisen parat haben, ist es nicht nur mit seiner Karriere in der NPD vorbei; in der gesamten Region würde er nicht mehr gern gesehen sein. Sein kleines Zubrot, das er sich verdient haben soll, dürfte ihm nun im Halse stecken bleiben. Hätten ihm die Kameraden doch bloß einen anständigen Job verschafft...
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