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Wehklagen über die Lage der Nation
Mit dem Autoren Ulrich Schacht tritt morgen ein Exponent der "Neuen Rechten" in der Wismarer Stadtbibliothek auf.
16.08.2004
Ulrich Schacht kommt herum. Mal liest der Autor und Schriftsteller auf Einladung des Landesbeauftragten für Stasi-Unterlagen in Rostock, dann folgt er dem Ruf der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung nach Dresden. Nun hat ihn die Wismarer Stadtbibliothek für den 17. August angekündigt. Was die Zuhörer/innen für "mecklenburgische, schwedische und litauische Erfahrungen" von Ulrich Schacht zu erwarten haben, machen dessen Ausflüge in der Presselandschaft deutlich: Der gebürtige Wismarer bewegt sich im intellektuell-rechtsextremen Milieu.
Das bemerkte schon die Ostseezeitung, als Schacht im Januar des vergangenen Jahres plötzlich über die "marxistisch konditionierten" Politiker der Bundesrepublik "schwadronierte" und die Generation der 68er als "Menschen vom gleichen Typus wie die bei der Stasi" bezeichnete. Solche Ausfälle sind keine Seltenheit. Schacht ist regelmäßiger Autor der rechtsextremen Jungen Freiheit, deren Mitarbeiter laut Verfassungsschutz Baden-Württemberg "in einer Grauzone von demokratischem Konservatismus, Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus" agieren. Auch im "Ostpreußenblatt", dem stramm rechten Organ der revisionistischen "Ostpreußischen Landsmannschaft", tobt sich Schacht aus. Er wettert gegen den Verlust des christlichen Profils der Bundesrepublik, schimpft über die "im Links-Totalitären verankerten" 68er oder lobt die "nationalen Forderungen der rebellierenden Bürger Mitteldeutschlands von 1953".
Zusammen mit Heimo Schwilk veröffentlichte Schacht Mitte der 90er Jahre das "neurechte Pamphlet" "Die selbstbewußte Nation - Anschwellender Bocksgesang", in dem in verschiedenen Beiträgen der Nationalsozialismus entsorgt und der Hoffnung auf ein starkes Deutschland Ausdruck gegeben wird. Etwas später, 1997, folgte von Schacht und Schwilk "Für eine Berliner Republik", laut taz "ein Buch gegen den Euro und für die nationale Erneuerung der Republik". Dass Schacht als Exponent der "Neuen Rechten" zudem für den rechtspopulistischen "Bund freier Bürger" kandidierte, dürfe da nicht weiter überraschen.
Überrascht werden dagegen sicherlich einige der Gäste sein, die sich morgen in der Wismarer Stadtbibliothek von Ulrich Schacht erzählen lassen werden, wie er aus der DDR emigrieren mußte, nur um dann vor der Lage der Nation aus der Bundesrepublik ins schwedische Exil zu fliehen. Und vielleicht werden sich jene Zuhörer/innen wünschen, dass er doch da geblieben wäre.
Links
Ulrich Schacht provoziert mit radikalen Ansichten
Landesbeauftragter für Stasi-Unterlagen lud rechtsradikalen Autoren nach Rostock ein; Ostseezeitung vom 31.03.2003
http://www.links-lang.de/presse/541.htm
Buchlesung mit Ulrich Schacht
Ostseezeitung-Grevesmühlen vom 05.08.2004
http://www.ostseezeitung.de/ge/start_112750_1308955.html
Junge Freiheit
Beitrag beim Informationsdienst gegen Rechtsextremismus
http://lexikon.idgr.de/j/j_u/junge-freiheit/junge-freiheit.php
Junge Freiheit
Infos des Verfassungsschutzes von Nordrhein-Westfalen
http://www.im.nrw.de/sch/347.htm
Die selbstbewußte Nation und ihr Geschichtsbild
Geschichtslegenden der Neuen Rechten; Buchinformation
http://www.papyrossa.de/nation.htm
Der Bund freier Bürger - Die Freiheitlichen (BFB)
Beitrag des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung
http://www.uni-duisburg.de/DISS/Internetbibliothek/Artikel/Bund_freier_Buerger.htm
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