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Wohlfühlatmosphäre für Neonazis
Neonazis marschierten am Sonnabend in Wolgast unbehelligt gegen die Wehrmachtsausstellung auf. Den Stadtteil hatten sie sich mit Unmengen rechtsextremer Propaganda ausstaffiert.
27.07.2003
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| Neonazi-Trommeltruppe, 230x540, 32 KB |
"Opa war in Ordnung", steht an eine Wand gesprüht. Daneben ein Hakenkreuz. An unzähligen Häuserwänden verkünden Aufkleber und Plakate der Pommerschen Aktionsfront die gleiche Message, und neben einem lächelnden Wehrmachtssoldaten heißt es: "Unsere Großväter waren keine Verbrecher". Aus unbestimmbarer Richtung klingt durch die Schluchten des Neubauviertels Wolgast-Nord dumpfes Trommeln. Die Neonazis der Pommerschen Aktionsfront haben zur Demonstration am heutigen 26. Juli gegen die Wehrmachtsausstellung aufgerufen, die vor zwei Tagen im nahen Peenemünde eröffnet worden ist.
Vorher hatte es noch Streit in der "Szene" gegeben. Die Demo der Pommerschen Aktionsfront und ihrer Kameraden wurde in offensichtlicher Konkurrenz zu einer Demo am 2. August von Christian Worch, Lars Jacobs und des in ihrem Umfeld anzusiedelnden "Freundeskreis Halbe" angemeldet. Worch oder Jacobs sind nicht da. Dafür jedoch fast 400 andere Neonazis, fast einheitlich mit roten T-Shirts bekleidet sind. Darauf blickt dem Betrachter ein junges Mädchen wie aus einer NS-Propaganda-Gazette entgegen und verkündet ein weiteres Mal: "Opa war in Ordnung".
Wie stolz sie auf die Taten ihrer Opas sind, rufen die Neonazis nun drei Stunden lang in der Gegend umher: "Wehrmachtssoldaten - Heldentaten" und "Ruhm und Ehre der deutschen Wehrmacht". "Es ist kein Verbrechen, Volk und Vaterland zu schützen", steht auf einem Transparent. Peter Borchert, Jörg Hähnel und Lutz Giessen melden sich bei der Abschlußkundgebung zu Wort. Mehrere Schweigeminuten werden eingelegt, diverse Lieder geträllert. "Die deutsche Wehrmacht war die beste Armee der Welt", heißt es über die Soldaten, die Millionen Zivilisten und Kriegsgefangene planmäßig ermordeten.
Weit entfernt vom Geschehen veranstaltet der Präventionsrat der Stadt ein Kulturfest gegen Rechts. Ein buntes Programm findet statt, dass sich auch Gruppen von Neonazis ungestört anschauen können. Ihre demonstrierenden Kameraden bleiben ebenfalls unbehelligt, von Protest ist nichts zu merken. Nur ein paar A3-Plakate sind über die rechten Sprühereien geklebt: "Jeder Krieg ist ein Verbrechen". Ob das gegen die Neonazis gemeint ist?
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