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21.01.2003
Mit Appellen die Welt verändern - Tausende Menschen bei Friedensdemo in Rostock
Wieder mal ein Artikel, der mehr als diskutabel ist...
Ja, viele Leute waren da. Mit 3 500 bis 5000 TeilnehmerInnen war die Anti-Kriegsdemo zum Global Action Day am vergangenen Sonnabend in Rostock die größte in der BRD. Fahnen wurden geschwenkt, Luftballons steigen gelassen und Transparente hochgehalten. Ein buntes Friedensfest fand statt - gegen die USA.
Deren Neoliberalismus, "Besatzungspolitik" und Imperialismus sind es nach Ansicht der verschiedenen RednerInnen aus dem Parteien- und Gewerkschaftsspektrum, die die Welt schlecht machen. Deutschland wurde geflissentlich außen vor gelassen. Kein Wort über deutsche Soldaten in allen Teilen der Welt, keines über die aufstrebende Supermacht Europa, die Stellung gegenüber den USA bezieht.
Auf dringendere Fragen, wenn man schon praxisorientiert Politik machen will, blieben die Friedensbewegten Antworten schuldig. Was soll mit dem Irak geschehen? Soll das Hussein-Regime dort weiterhin foltern und morden können? Wie soll eine Demokratisierung des Nahen Ostens erreicht werden? Etwa mit dem von den EU-Staaten praktizierten Handelsdialog, der die autoritären und diktatorischen Regierungen stützt? Wie geht die Friedensbewegung damit um, dass ihre Forderungen im Widerspruch zu denen der irakischen Oppositionsgruppen stehen, die einen Militärschlag gutheißen? Und wie damit, dass sie Steigbügelhalter einer rot-grünen Regierung ist, die auf "deutschem Wege" demokratische und soziale Entwicklungen rückgängig macht?
Nein, auch Ausblicke auf eine bessere Welt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen waren am Sonnabend nicht zu hören. Umso lauter zu hören waren dafür ein paar Neonazis, die sich Parolen gröhlend dem Demonstrationszug anschlossen. Hunderte Friedensbewegte nahmen sie teilnahmslos zur Kenntnis, bis sich eine Handvoll Antifas den Faschos annahm.
Rosige Aussichten. Denn was soll man von einer Friedensbewegung halten, der Nazis egal sind, die Appelle an eine Regierung startet und glaubt, wenn erstmal alle US-Soldaten zu Hause sind, bricht der humane Kapitalismus an?
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