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Nach Farbattacken auf dem Gnitz: Opfer droht mit Hungerstreik
19.07.2010
Gnitz - Die Täter kamen in der Nacht zum Samstag. Offenbar mit verdünntem, stark nach Benzin riechendem, schwarzem Kaltanstrich. Ob er aus Eimern oder per Spritze an die Fassaden gelangte, ist offen. Fakt aber bleibt: Drei Häuser in Neuendorf und Lütow sind großflächig beschädigt, zudem ein Auto; der Schaden geht in die 'zig Tausende Euro, ganz abgesehen vom Frust und der Verzweiflung der ahnungslosen Opfer.
Zu ihnen zählen die Lütower Bürgermeisterin Hiltrud Wessel (70) und ihr Mann Peter (72). "Ich werde mir nicht gefallen lassen, wenn hier nichts geschieht, die Ganoven nicht zielgerichtet verfolgt und erwischt werden", sagt der gebürtige Ostpreuße und kündigt Spektakuläres an: "In den nächsten Tagen gehen Schreiben an Kanzlerin Merkel und Innenminister Schäuble sowie an den Staatsanwalt. Und dann trete ich in Hungerstreik!". Amtschef Karl-Heinz Schröder sei bereits vor Ort gewesen. "Er hat alles fotografiert und MV-Innenminister Caffier eingeschaltet." Auch die Polizei habe eine Anzeige aufgenommen, warum nicht gründlich nach Spuren gesucht und evtl. Fährtenhunde eingesetzt wurden, darüber hätten die Beamten vor Ort Auskunft gegeben: "Die haben gesagt, sie könnten nicht, seien hoffnungslos unterbesetzt", schüttelt Peter Wessel den Kopf. Ihm wollen jetzt Freunde und Bekannte helfen, nachts auf Streife gehen - indes der Schaden ist längst eingetreten. Seine Frau vermutet, dass die Attacke ihr galt. "Ich soll als Bürgermeisterin zurücktreten. Ich gebe aber nicht auf. Auch wenn mich dieser schreckliche Akt des Vandalismus schwer getroffen hat", sagt die Kommunalpolitikerin. Und hat dabei Tränen in den Augen. Zugleich hofft sie, dass sich ihre Versicherung, die zunächst eine Schadensbegleichung abgelehnt hat, noch eines Besseren besinnt.
Denn der Putz ihres Hauses wird genauso herunter müssen wie jener an der Vorderfront des Eigenheimes von Familie Kleine am Mühlenbergweg in Neuendorf. Hier war die Situation während des unbemerkten, nächtlichen Farbangriffes dramatisch. Schließlich schlief hinter einem der betroffenen und nachts offen stehenden Fenster ein achtjähriges Mädchen ... "Unglaublich, was da hätte alles passieren können", meint Johanna Kleine, früher Gemeindevertreterin, jetzt in Diensten von Claus-Christoph Ziegler. Dessen saniertes Gutshaus in der Ortsmitte wurde ebenfalls und zum wiederholten Male in der jüngeren Vergangenheit schwer in Mitleidenschaft gezogen.
Auf dem Gnitz gibt es immer wieder solche Attacken. Manfred Hinze, einst stellvertretender Bürgermeister, weiß ein trauriges Lied davon zu singen. So wurde sein Wohnhaus, als er auswärts war, unter Wasser gesetzt. Auch Schmierereien gibt es oft. Am Gemeindehaus war erst vor wenigen Wochen "Stasi raus" zu lesen. Im Ort ist man ratlos, manche wollen weg. Schon soll es günstig Häuser zu kaufen geben.
STEFFEN ADLER
Ostseezeitung-Usedom
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