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"Wir lassen uns nicht vertreiben"
05.07.2010
von Maren Ramünke-Hoefer
SCHWERIN - Es sollte eine friedlich-bunte Aktionswoche werden, die zeigt, dass es ganz normal ist, anders zu sein. Doch die schwul-lesbische Parade anlässlich des Christopher-Street-Days (CSD) sorgte im Vorfeld für Aufregung. Nach der Ankündigung des Festtages in der SVZ mussten die Homosexuellen via Internet schwere Beschimpfungen über sich ergehen lassen. Als "Irrtümer der Natur" wurden sie bezeichnet, verglichen mit Spiel- und Alkoholsüchtigen. "Schwule sind Kranke, Krankheiten gehören bekämpft und ausgerottet. Weg mit dem Viehzeug", zitiert Nobert Reinisch vom CSD-Verein die Anfeindungen. "Solche Äußerungen sind schockierend und zeigen, wie wichtig der Christopher-Street-Day heute ist", so Reinsch, der am Sonnabend das Programm am Pfaffenteich moderierte. "Wir sind erschüttert und wütend über den Hass auf uns. Aber wir lassen uns nicht von der Straße vertreiben."
Der Mut, zu seiner sexuellen Orientierung zu stehen, war das Thema der vierten CSD-Woche in Schwerin, die mit dem Hissen der Regenbogenflagge vor dem Rathaus begonnen hatte, zu der schwul-lesbische Filmtage ebenso gehörten wie Mitmach-Parcours an Schweriner Schulen und eine Kranzniederlegung vor dem Mahnmal "Die Mutter" bei Raben Steinfeld - zur Erinnerung an die homosexuellen Opfer des Naziregimes. Mit einem Umzug durch die ganze Stadt mit rund 200 Teilnehmern und einer Party am Pfaffenteich endete die CSD-Woche am Sonnabend.
Obwohl mittlerweile prominente Schauspieler, Sänger und Politiker zu ihrer eigenen Homosexualität stehen, ist es für viele Schwule und Lesben ein großer Schritt, sich zu bekennen. Norbert Reinsch: "Viele Lesben und Schwule leben heute immer noch ein Versteckspiel - aus Furcht vor negativen Reaktionen von Familie und Freunden, vor negativen Folgen für die Karriere - auch und gerade in einer relativ überschaubaren Stadt wie Schwerin oder gar auf dem Lande. Viele tragen diese Sorgen eine lange Zeit mit sich herum, was sehr viel Kraft und Energie kostet, die dann an anderer Stelle fehlt." Um diesen Ängsten zu entkommen, gäbe es nur den Weg: selbstbewusst zu seiner Homo- oder Bisexualität zu stehen. "Aber auch die Gesellschaft muss lernen, Vielfalt und Anderssein zu akzeptieren."
Unterstützung gab es dabei von So zial ministerin Manuela Schwesig (SPD), sie hatte die Schirmherrschaft des CSD in Schwerin übernommen: "Die Landesregierung ist bei Ihnen, wir werden gemeinsam ankämpfen gegen Angriffe wie die in der vergangenen Woche." Neben den Verbalattacken gab es außerdem einen homophoben Übergriff im Landkreis Parchim. Dort wurde ein Schwuler von Unbekannten zusammengeschlagen. "Wir wurden aus Parchim kontaktiert, um einen passenden Therapeuten in der Nähe zu benennen", erzählt Roy Rietentidt, Geschäftsführer der Aidshilfe Westmecklenburg. "Wir konnten nur nach Hamburg oder Berlin verweisen."
Schweriner Volkszeitung
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