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Neonazi-Mode mitten in Schwerin
21.05.2010
von Mathias Gröckel
SCHWERIN - Im Stadtzentrum von Schwerin hat ein Modegeschäft der bei Neonazis beliebten Kleidermarke "Thor Steinar" eröffnet. Verfassungsschützer stufen diese in der "Tønsberg"-Boutique in der Lübecker Straße 20 angebotenen Textilien als "identitätsstiftendes Kennzeichen von Rechtsextremisten" ein, im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern ist das Tragen von "Thor Steinar"-Artikeln der brandenburgischen Firma MediaTex verboten. "Wer durch äußere Zeichen eine antidemokratische Haltung ausdrückt, verstößt gegen die Würde des Hauses", erklärt Landtagssprecher Dirk Lange.
Wie schon in Berlin, Nürnberg und Leipzig formiert sich auch gegen die Schweriner "Tønsberg"-Filiale politischer Protest. "Wir werden nicht tatenlos zusehen, wenn im Herzen der Stadt eine Kleidung verkauft wird, deren verfassungsfeindliche Symbolik nur schlecht getarnt ist", sagt SPD-Stadtfraktionschef Daniel Meslien. Das Geschäft, das sich schnell zum rechten Szenetreff entwickeln könne, schade dem Ruf von Schwerin. Notfalls werde seine Fraktion eine Resolution der Stadtvertreter beantragen, die den Vermieter auffordert, das Mietverhältnis mit dem Modeladen aufzulösen.
Gramkow drängt auf Ende des Mietvertrages
Dieses Ziel verfolgt auch Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke). "Wir bemühen uns um ein Gespräch mit dem Vermieter." Sie gehe davon aus, dass öffentlicher Druck verhindern werde, "dass Neonazi-Symbolik bei uns hoffähig gemacht wird", so die Verwaltungschefin.
Die Hoffnung ist berechtigt: Bereits 2007 hatte es in Schwerin den Versuch gegeben, ein Szene-Geschäft zu betreiben. Für den damals in der Wismarschen Straße eröffneten "Thule-Store" erfolgte aber noch im selben Jahr die Kündigung.
Eine Mahnwache vor dem "Tønsberg"-Laden in der Lübecker Straße planen die Jungsozialisten in der SPD. "Parteien, Gewerkschaften, Vereine und Initiativen haben wir aufgerufen, am 26. Mai von 21 Uhr an friedlich zu protestieren", sagt die Schweriner Kreisvorsitzende Kristin Richter. Jeder, der sich anschließen wolle, sei am kommenden Mittwoch willkommen.
Die Polizei widme der Eröffnung des "Tønsberg"-Geschäfts ihr "besonderes Augenmerk", sagt Inspektionschef Wilfried Kapischke. Auch mit Blick auf die wiederholten Straßenschlachten zwischen links- und rechtsgerichteten Randalierern vor dem Neonazi-Szeneladen "East Coast Corner" in Rostock fügt er hinzu: "Wir werden keine Gewalttätigkeiten tolerieren."
Schweriner Volkszeitung
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