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Hetze mit Hakenkreuz und Rassenkunde
Bewährungsstrafen für rechtsextreme Funktionäre
12.05.2010
Stefan Strauß
Seine rechte Gesinnung trug er im Gesicht. In einem "Pimpfenlager" des Vereins Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) in Mecklenburg-Vorpommern bastelte Ragnar D. mit Kindern Gipsmasken mit Hakenkreuzen. Die Masken wurden offen getragen und sogar ausgestellt. Das war im Mai 2008.
Gestern musste sich der aus Berlin stammende Mann, ein 26-jähriger Diplom-Biologe, als Hauptangeklagter vor dem Berliner Landgericht für diese und weitere Straftaten verantworten. Mit ihm angeklagt waren auch eine 24-jährige Kauffrau und ein 27-jähriger Kfz-Mechaniker aus Niedersachsen. Die Staatsanwaltschaft verurteilte Ragnar D. noch gestern zu 17 Monaten Haft auf Bewährung wegen Volksverhetzung und Verbreitens von Nazipropaganda. Der Mitangeklagte bekam eine Bewährungsstrafe von einem Jahr. Die Frau muss eine Geldstrafe zahlen.
Antisemitischer Film
Alle drei waren Mitglieder der im Jahr 2009 verbotenen rechtsextremen HDJ. Es war der erste Prozess gegen frühere Mitglieder des Vereins seit dessen Verbot. Die Gruppe mit damals bundesweit etwa 600 Mitgliedern beschrieb sich als "aktive volks- und heimattreue Jugendbewegung für alle deutschen Mädel und Jungen im Alter von 7 bis 25 Jahren." Zu ihren Aktivitäten gehörten Zeltlager für Kinder "nationaler Familien" und Schulungen.
Der damalige HDJ-Funktionär Ragnar D. hatte im Januar 2007 in einem niedersächsischen NPD-Heim eine "Rasseschulung" mit bis zu 40 Personen veranstaltet, darunter waren auch Minderjährige. Thema seiner Power-Point-Präsentation: "Biologische Grundlagen unserer Weltanschauung." Dabei soll D. Volksgruppen wie Afrikaner und Juden verunglimpft und vor einer "Durchmischung" gewarnt haben. Laut Anklage wurde auch ein antisemitischer Film aus der Nazi-Zeit gezeigt. Seinem Mitangeklagten wurde vorgeworfen, die Veranstaltung organisiert zu haben. Die Mitbeschuldigte soll den Eintritt von 8 Euro kassiert haben.
Gestern beim Prozessauftakt zeigten sich die drei Angeklagten weitgehend geständig. Ragnar D. sagte: "Ich war damals Anfang 20. Das war meine Sturm-und Drang-Zeit. Ich war unfassbar naiv." Der Biologe wohnt heute in Rostock, er sagte, er arbeite an seiner Promotion und wolle künftig wissenschaftlich arbeiten. (str.)
Berliner Zeitung
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