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10.07.2003
Opfer traf seinen Peiniger an der Schule wieder

Dierkow (OZ) Die öffentliche Sicherheit in ihrem Stadtteil bereitet vielen Dierkowern offenbar Sorgen. Der Ortsbeirat befasste sich Dienstagabend mit diesem Thema. Anlass war der brutale Übergriff vom 16. Mai. Damals verletzten rechtsgerichtete Schläger einen 13-Jährigen schwer. Die körperlichen Wunden seien mittlerweile verheilt, berichtete der Vater des Jungen. Unter den seelischen Folgen der Misshandlungen leidet das Opfer aber noch immer. Dem Vater sackt die Stimme weg und er muss die Tränen unterdrücken, als er erzählt, wie es um die Psyche seines Sohnes bestellt ist. Der Junge sei in psychologischer Behandlung.

Nicht zufrieden ist der Vater mit der Arbeit der Polizei. Sein Sohn traf kürzlich einen der Täter wieder, die ihn mit Fäusten und Stiefeln malträtiert hatten. Das Treffen war kein Zufall: Der mutmaßliche Schläger besucht eine Schule, die direkt neben der seines Sohnes liege. Der Vater ging zur Polizei. Doch die habe nichts unternommen. Jetzt hat der 13-Jährige die Schule gewechselt.

Kritik übte der Mann auch am Verhalten von drei Busfahrern: Drei Freunde des Opfers hatten diese nach dem Vorfall um Hilfe gebeten. Die RSAG-Angestellten wiesen sie zu einer Verkaufsstelle, 15 Meter entfernt. "Warum ist kein Busfahrer mitgegangen? Das wäre das Mindeste gewesen", sagt der Vater.

Zwei der mutmaßlichen Täter sitzen in U-Haft. Beim dritten habe der Richter keinen Anlass dafür gesehen, so Polizeisprecherin Ivonne Burand. Gegen alle drei werde bald Klage erhoben. Die Kripo ermittelt noch gegen einen vierten Beteiligten.

Die Busfahrer "haben das einzig Richtige gemacht", sagt Dirk Feldhusen von der RSAG. In der Verkaufsstelle gebe es Telefon. Von dort habe schneller Hilfe angefordert werden können, als es die Fahrer über Funk vermocht hätten. Die Täter hätten aus einer Gruppe von 30 Leuten heraus agiert, so der Vater des Opfers. Auf dem Spielplatz habe sich ein Treffpunkt der Szene etabliert. Laut Bernd Siems, Leiter des Polizeireviers in Dierkow, gibt es keinen solchen Schwerpunkt.

Ostseezeitung-Rostock

10.07.2003
Eine Tat, die kein Einzelfall war - Mehr Polizei-Präsenz zum Schutz gegen rechte Gewalt gefordert

Mittelpunkt einer Ortsbeiratssitzung in Dierkow (Neu) am Dienstagabend bildete ein Vorfall, der im Vormonat viel Aufsehen erregte. Eine Gruppe von Rechtsextremen hatte am Dierkower Kreuz einen 13-jährigen Jungen auf brutale Weise misshandelt. Busfahrer, die von den Opfern um Hilfe gebeten wurden, verwiesen die Kinder zum nächsten Kundenzentrum und lösten dadurch viele Diskussionen aus.

"Es bestand Gefahr im Verzuge", verteidigt Dirk Feldhusen von der RSAG die Reaktion der Busfahrer. "Es war richtig, die Kinder zum Kundencenter zu schicken. Nur so konnten sofortige Hilfe geleistet und erste Schritte zur Täterergreifung unternommen werden."

Der Vater des Opfers konnte diese Art von Helfen jedoch kaum verstehen. "Es entstand der Eindruck, dass die Kinder von den Busfahrern einfach weggeschickt wurden." Enttäuscht zeigte sich der Vater auch von der Polizei. "Wir erhielten nur wenig Unterstützung. Bis heute laufen die Täter frei umher, obwohl sie vorbestraft sind. Es passierte überhaupt nichts." Hilfe erhielt die Familie vom Verein Lobby, der sich für Opfer von Gewalttaten einsetzt. Nach deren Recherche war jene Tat kein Einzelfall. Am selben Tag wurden in Dierkow noch ein 14-Jähriger und ein Obdachloser von der Tätergruppe angegriffen.

Für mehr Präsenz von Polizei will sich nun der Ortsbeirat einsetzen. Ein wichtiger Impuls dieser gut besuchten Sitzung des Ortsbeirats, damit die rechte Szene in Dierkow nicht noch mehr Fuß fasst.

Doreen Blask

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