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Nur wer nicht vergisst, was geschah...
30.04.2010
von Wolfried Pätzold
PARCHIM - Als Jacob Schur - tschechischer Jude und Überlebender des KZ Sachsenhausen, der seit Jahrzehnten in Israel lebt - vor etwa zweieinhalb Jahren zum ersten Mal seit 1945 wieder in die Parchimer Region kam, schienen für ihn Jahrzehnte wie verflogen. "Der Mann hat sich an vieles erinnert, als wäre es vor wenigen Tagen passiert", sagt Carmen Lange, die den Zeitzeugen des Todesmarsches von 1945 bei seiner Spurensuche seinerzeit begleitet hat. "Mit seiner Hilfe konnten wir eine der Routen des Marsches aufspüren, die noch nicht bekannt war", fügt die Historikerin, die im Todesmarsch-Museum in Below arbeitet, hinzu. Jacob Schur hat die Tortur überlebt. Mehr als tausend Gefangene sind auf dem Marsch verhungert oder wurden erschossen. Zu ihnen gehören auch die 25 ausländischen Häftlinge, die am 2. Mai 1945 in einer Scheune in Zapel untergebracht waren und dort von drei Deutschen niedergemetzelt wurden.
Kunst ohne Schnörkel
Carmen Lange hat gestern den Gästen der Eröffnung einer Gedenk-Ausstellung des Crivitzer Bildhauers Wieland Schmiedel die Tragödie der Todesmärsche noch einmal vor Augen geführt. Landrat Klaus-Jürgen Iredi und Prof. Dr. Wolfgang Vogt vom Kulturforum Pampin haben mit Schmiedel einen Künstler gewonnen, der seit Jahrzehnten die existenziellen Fragen des menschlichen Daseins thematisiert. "Schmiedel steht für eine Kunst ohne Schmuck und Schnörkel. Nicht Dekor ist seine Sache, sondern das Freilegen der Substanz", sagt Friedensforscher Prof. Vogt. Die Installation des Crivitzer Bildhauers, der im Vorjahr den Landeskulturpreis bekam, mit der Skulptur "Mutter" und dem Polyesterbodenrelief "Das Tuch" innerhalb eines großflächigen Schotterfeldes, soll ein Zeichen gegen Menschenverachtung und Menschenvernichtung setzen. Acht großformatige Zeichnungen aus einer 1993 entstandenen Folge "Jugoslawienblätter" erinnern darüber hinaus an Gräueltaten aus der jüngeren Vergangenheit.
Mit ihrem Motto "Nur wer nicht vergisst, was geschah, kann verhindern, dass es wieder geschehen könnte", ist die Parchimer Ausstellung der Auftakt einer geplanten Trilogie zur "Kultur der Erinnerung, Mahnung und Erneuerung".
Die Initiatoren des Projektes hoffen, dass die Ausstellung, die bis zum 31. Juli Montag bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr in der Remise geöffnet ist, viele Gäste besuchen. "Vor allem für Schulklassen wäre das sicher sehr interessant", so Prof. Vogt.
Schweriner Volkszeitung-Lübz
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