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Unheilvolle Verbindungen

Aktivisten aus der Neonaziszene suchen zunehmend die Nähe zu Rockergruppierungen wie Bandidos oder Hell´s Angels und sind zum Teil selbst in deren Netzwerk involviert.

09.04.2010

In jüngster Zeit hat es zunehmend Neonazis in Rockergruppierungen gezogen. Dieser Umstand wird nun auch in der rechten Szene rege kommentiert. In Internetforen wurde bereits das Bekenntnis von NPD-Funktionär Sascha Roßmüller, Mitglied der Bandidos Regensburg zu sein, ausführlich und kontrovers diskutiert. Eine solche Debatte tobt aktuell auch in Schleswig-Holstein.

Dort sind die Freien Nationalisten der Aktionsgruppe Kiel mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit gegangen. Ihr ehemals führender Mitstreiter Peter Borchert hat sich nämlich auch ohne Motorrad-Führerschein bei den Bandidos eine neue Heimat gesucht. In dessen Schlepptau engagieren sich dort nun ebenfalls "Club 88"-Gänger Alexander Hardt und der Bordesholmer Nils Hollm, der den Bandidos-Unterstützerclub Contras ins Leben rief.

"Unsere Ausrichtung ist braun"

In Neumünster wurde zuletzt eine Hochzeit eines Bandidos im offiziell noch nicht als Gaststätte genehmigten neuen Domizil der in Kürze an bisherigem Ort schließenden "Titanic" gefeiert. Die Kneipe ist regelmäßiger Anlaufpunkt von Mitgliedern der rechten Szene, diente aber auch bereits als Bandidos-Treff.

In der Stellungnahme aus Kiel heißt es im Kern: "Ein (...) Aspekt unserer Ablehnung gegen irgendwelche Motorradclubs begründet sich in unserer Weltanschauung und unseren Idealen. Für Nationale Sozialisten wird es zum Beispiel niemals in Frage kommen, volksfremde Elemente als 'Brüder' zu bezeichnen und mit diesen auch noch die gleichen Ziele zu verfolgen. Ausnahmen bilden lediglich unsere weißen Brüder und Schwestern auf der ganzen Welt, die in ihren Heimatländern ebenfalls für den Erhalt ihres eigenen Volkes kämpfen." Als Kieler Sprecher fungiert dabei Daniel Zöllner, der abschließend betont: "Unsere Fahnen und Blöcke sind schwarz, unsere Treue gilt Schwarz-Weiß-Rot, unsere Ausrichtung ist braun und unsere Position ist rechts außen!"

Das Erbe von "Blood & Honour" angetreten

Doch Aktivisten aus der rechten Szene suchen nicht nur die Nähe zu Bandidos. ln Niedersachsen gibt es seit geraumer Zeit ein Miteinander bezogen auf die Red Devils, den Unterstützern der Hell's Angels. Domain-Inhaber der Homepage der Wolfenbütteler Red Devils ist Dennis Kiebitz. Kiebitz zählt bei der selbst ernannten Organisation "Honour & Pride" zu den Aktivisten von Rechtsrockveranstaltungen, die regional das Erbe des verbotenen "Blood & Honour"-Zirkels angetreten haben.

Nach Informationen der Fraktion Die Linke sind dort ebenfalls Kräfte der 2008 gegründeten "Autonomen Nationalisten" Wolfenbüttel/Salzgitter und der Hooligangruppe "Kategorie Braunschweig" aktiv. Im Clubhaus der Red Devils Helmstedt wurde das NPD-Plakat "Gute Heimreise" gesehen. Als im Juni 2007 die in Fußball-Hooligankreisen ebenso wie bei Neonazis beliebte, aus Bremen stammende Band Kategorie C in einer Wolfsburger Kleingartenanlage aufspielte, kümmerten sich unter anderem Hell's Angels und Red Devils um den Getränkeverkauf für die 250 Besucher. Ursprünglich sollte der Auftritt in Wolfenbüttel stattfinden.

Vom "Combat 18"-Umfeld ins Tätowierstudio

Ein Blick auf verschiedene von den Hell's Angels dominierte Tattoo Conventions (Tätowierer-Ausstellungen), etwa in Hannover, Hamburg oder Kiel, geben ebenfalls Einblick in ein in Beziehung mit Neonazis stehendes Netzwerk. So machen auch die Betreiber des Tätowierstudios Bulletproof in Munster, die zudem gut in der Kampfsportszene etabliert sind, aus ihrer Sympathie zu den Hell's Angels keinen Hehl. So wie in diesem Fall polizeiliche Ermittler ein Engagement bei "Blood & Honour" gesehen haben, so gehörte Klemens Otto früher zum "Combat 18"-Umfeld in Schleswig-Holstein, bevor er sich in ein Tätowierstudio in Neumünster begab, das unter Hell's Angels-Regie steht.

Otto und die Berufskollegen in Munster halten noch immer Kontakt. Den gibt es auch zum Hildesheimer Tattoo-Studio "Last Resort". Der Laden dekoriert sich ebenso mit Hell's Angels-Merchandisingartikeln. Eine Recherche des "Weser Kuriers" hat Ende 2008 auch in Hannover und Seesen eindeutig rechtslastige Tattoo-Geschäfte ausgemacht, die sich im Hell's Angels-Umfeld tummeln.

Gewaltattacke gegen Algerier

Zu den führenden Handlangern der Hell's Angels in Hannover gehört auch Markus Warnecke, der bei der Fußball-WM 1998 den französischen Polizisten Daniel Nivel fast zu Tode prügelte und dafür zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Auch nach seiner Haftentlassung landeten Warneckes Handlungen gegen Ausländer strafrelevant vor Gericht - mal wegen Beleidigung eines Türken, mal wegen einer Gewaltattacke gegen einen Algerier.

Von 2002 bis 2006 nutzte der Rechtsextremist Christian Hehl das Clubheim der Bandidos in Mannheim für Rechtsrock-Konzerte. Bei den Bandidos in Kassel verhinderte die Polizei 2006 ein entsprechendes Konzert. Der Berliner Senat räumte 2008 ein, dass es Lokalitäten gebe, die von Rockern (aus dem Lager der Bandidos und vom Gremium MC) sowie Neonazis gemeinsam besucht werden.

"Schwarze Schar" bekennt sich zu deutscher Herkunft

Nach Andreas "Oswald" Pohl, früher einer der Köpfe bei der verbotenen Nationalistischen Front, der schon vor Jahren in Dresden beim MC Gremium anheuerte, gibt es nun einen weiteren prominenten Rechtsextremisten, der nahe Wismar einen Motorradclub auf die Beine gestellt hat. Die Rede ist von Phillip Schlaffer, früher Betreiber des Werwolf-Shops und Geschäftemacher von "H8store" im Internet. Nun heißt Schlaffers Betätigungsfeld "Schwarze Schar MC". Kürzlich erwarb man in Gägelow ein eigenes Clubheim, das auf den Namen "Schwarzer Herzog" getauft wurde. Das Innenministerium in Schwerin bestätigt, dass sich bei Schwarze Schar Rechtsextremisten zusammengefunden haben. Gägelow liegt nur wenige Kilometer vom Dorf Jamel entfernt, wo der gewaltbereite Neonazi Sven Krüger seit vielen Jahren für Unruhe sorgt.

Zum eigenen Selbstverständnis gibt "Schwarze Schar" bekannt: "Es wurde entschieden, sich seiner deutschen Herkunft zu bekennen." Im Gästebuch der Homepage grüßen ein paar Weggefährten mit offenkundig rechter Gesinnung, darunter Christoph Ozanna von Hrungnir Records aus Frickenhausen.

Horst Freires

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