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05.07.2003
"Arndt war kein Judenfeind" - Neue Studie zum Unipatron

Greifswald (OZ) Ernst Moritz Arndt muss Patron der Universität Greifswald bleiben. Mit ihm kann man sich wohlfühlen. So die Auffassung von Professor Dr. Dr. Erhard Albrecht im Gespräch mit unserer Zeitung. Der international anerkannte vielseitige Wissenschaftler und Übersetzer hat sich ausgiebig mit Arndt befasst, neue Quellen erschlossen, mit Kollegen diskutiert und seine Erkenntnisse in dem Aufsatz "Ernst Moritz Arndt im politischen und geistigen Spannungsfeld seiner Zeit" in einem Band zum 200. Geburtstag von Arnold Ruge zusammengefasst.

"Seine Kritiker haben ihn nicht richtig gelesen", meint der Professor. Den sehr arndtkritischen Artikel in der "Zeit", der vor zwei Jahren eine große Debatte um den "Mann für alle vier Jahreszeiten" auslöste, hält der 78-Jährige für nicht sonderlich fundiert, ja primitiv. Die damals nicht nur in der OZ intensiv geführte Debatte hat Erhard Albrecht veranlasst, sich erneut mit dem pommerschen Geschichtsprofessor zu befassen.

Die Bekanntschaft des Professors mit dem Gelehrten von der Insel Rügen ist schon fast 60 Jahre alt. 1944 las er als Wehrmachtsdolmetscher Arndts Schrift "Germanien und Europa." Quasi auf Anregung eines überzeugten Nationalsozialisten, der behauptet hatte, dass Arndt in dieser Schrift beweist, dass die Juden sozusagen die französische Revolution fabriziert hätten. Dass er nach dreitägigem Studium nichts dergleichen fand und das auch nach sagte, brachte dem immer streitbar-selbstbewussten Erhard Albrecht seinerzeit nur Ärger ein. 1945 schenkte ihm seine Frau die Schrift Arndts "Wanderungen und Wandlungen mit dem Reichsfreiherren vom Stein" mit einer Einleitung Ricarda Huchs.

"Arndt war kein Judenfeind", stellt der Professor zu einem der Hauptvorwürfe gegen den Namenspatron der Uni fest. Er habe sich nur gegen jene Juden gewandt, die sein Werk, sein Ziel einer konstitutionellen deutschen Demokratie mit starkem Kaiser unter preußischer Führung störten und sie überheblich als Kosmopoliten bezeichnet. Dass die von ihm Kritisierten weiter schauten, dass es Grenzen in Arndts Denken gibt, bleibt davon unberührt. "Die Franzosen würdigen Arndt als großen Patrioten", so Erhard Albrecht, "der die Sprache der Gallier hervorragend beherrscht." Unsere Nachbarn würden seine wortgewaltigen Reden wider die Franzosen als zeitbedingt sehen. Und sie schätzen Arndt als Übersetzer. "Er hat wichtige Werke zur Landwirtschaft und Industrie ins Deutsche übertragen."

Neben den bleibenden Verdiensten, die Arndt mit seinem Kampf für die Aufhebung der Leibeigenschaft und sein aktives Mitwirken an der Befreiung Deutschlands von der napoleonischen Fremdherrschaft erwarb, erinnert Albrecht an die Sprachgewalt Arndts. In seinem Stil und seiner sprachgestalterischen Kraft habe der Greifswalder Professor manches mit Herder gemeinsam. "Ricarda Huch hat seinen Stil mit dem Luthers verglichen", erinnert Erhard Albrecht. Arnold Ruge sah ihn als einen "Sprachgenius".

Erhard Albrecht hofft, dass die Debatte um Ernst Moritz Arndt weitergeht. Seinen Artikel will er jetzt an seine vielen Freunde in vielen Ländern senden. "Ich empfange jeden, der sich mit mir über Arndt unterhalten will", verspricht der Professor.

Ostseezeitung-Greifswald

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