|
::Features::
::Suche::
|
|
Uni Greifswald steht zu ihrem Namenspatron
Beschluss. Die Hochschule nennt sich weiter nach dem umstrittenen Ernst Moritz Arndt - das entscheidet der Senat. Doch die Vorsitzende betont: Das Thema bleibt.
18.03.2010
Von Steffen Eggebrecht
Greifswald. Der Senat hat entschieden: Die Universität Greifswald behält den wegen antisemitischer Äußerungen umstrittenen Historiker Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860) als Namenspatron. Nach mehreren Monaten Debatte stimmten gestern 22 Senatoren gegen die Umbenennung der Hochschule, 14 Senatoren dafür. Enthaltungen gab es keine. Für eine Ablegung wäre eine Zweidrittelmehrheit nötig gewesen.
"In der Deutlichkeit war es ein unerwartetes Ergebnis für mich", sagte die Vorsitzende des Senats, Maria-Theresia Schafmeister nach der Sitzung. Aber die Senatoren hätten sich in den vergangenen Wochen sehr eingehend mit Arndt beschäftigt. "Ich denke, dass sie ihn als Namenspatron würdig empfinden."
Studentische Befürworter und Gegner hatten vorher noch einmal in der Innenstadt demonstriert. Rund 100 Gäste kamen dann zur Senatssitzung ins Hauptgebäude - ein Zeichen für die Brisanz des Themas.
Als das Ergebnis bekannt wurde, bahnten sich die aufgestauten Gefühle der vergangenen Monate ihren Weg: Jubel bei den Arndt-Befürwortern, lange Gesichter bei den Gegnern. Entsetzt zeigte sich Sebastian Jabbusch, Sprecher der Initiative "Uni ohne Arndt", die die Debatte im vergangenen Sommer ins Rollen gebracht hatte. Dennoch zog der Politikstudent ein positives Fazit: "Wir sind stolz, dass wir überhaupt eine Debatte angeregt haben und dass nun offensiver mit dem Thema umgegangen wird", sagte er.
Thorben Vierkant, Mitbegründer der Pro-Arndt-Initiative "Arndt AG Uni Greifswald" kritisierte die zum Teil sehr persönlich geführte Diskussion, die dem Entschluss vorausgegangen war. Eine Namensablegung unter diesen Voraussetzungen hätte er für unwürdig empfunden, sagte er.
Ernst Moritz Arndt stammt aus Pommern, studierte in Greifswald Theologie und lehrte auch an der Universität. 1933 beschloss der Senat der Greifswalder Universität mit Genehmigung des damaligen preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring, Arndt in den Namenszug aufzunehmen. Nach 1945 legte die Hochschule den Namen zwar ab, doch 1954 wurde er wieder aufgenommen. Die Uni entdeckte Arndt als Kämpfer gegen die Leibeigenschaft und den Feudalismus wieder.
Seit gut zehn Jahren schwelt der Namensstreit an der Uni. Bereits 2001 verlangten einige Professoren vergebens eine Auseinandersetzung mit Arndt. Die Gegner bezeichnen den pommerschen Theologen und Historiker wegen seiner Rassenideologie und seiner antisemitischen Äußerungen als Vordenker des Dritten Reichs. Arndt-Befürworter verweisen auf seine Verdienste als Philosoph und fordern, ihn im Rahmen seiner Zeit zu sehen und sein Denken nicht mit dem Nationalsozialismus gleichzusetzen.
Vor einem Jahr entflammte die Debatte erneut. Es kam zu zwei studentischen Abstimmungen. Die erste im Sommer 2009 brachte ein Votum für die Ablegung des Namens, die zweite im Januar 2010 das Votum dagegen. Auch eine Kommission des Senats, die sich in den vergangenen Monaten mit Arndt auseinandergesetzt hatte, kam in diesem Jahr zu keinem eindeutigen Ergebnis.
Mit der Senatsentscheidung stellt die Initiative "Uni ohne Arndt" ihre Aktivitäten nach eigenen Angaben ein. Die Senatsvorsitzende Schafmeister sagte: "Es wird ruhiger werden, aber ich wünsche mir auch nicht, dass es zu Ende ist." Arndt sei eine Herausforderung und ein schwieriger Patron. "Die Uni hat ihn sich gewählt und nun müssen wir uns weiter mit ihm beschäftigen."
Debatte auch in Rostock
Parallel zur Greifswalder Debatte hat der FDP-Landtagsabgeordnete Ralf Grabow eine Diskussion über den Namen der Rostocker Universität angeregt. Die noch namenlose Einrichtung könne nach dem 1951 von den Sowjets ermordeten Studenten Arno Esch benannt werden, sagte Grabow. "Esch hat sich schon als junger Mensch für die Demokratie eingesetzt und ist dafür gestorben."
Mit seinem Engagement sei Esch angesichts von Extremismus und Politikverdrossenheit noch heute ein Beispiel für die Jugend. "Mit einer Umbenennung der Uni würden wir ein Zeichen für Demokratie und gegen Extremismus von links und von rechts setzen." ddp
Nordkurier
|
|
|
::Action::
Kudde und die Kudders + Vietsmorgen
Konzert
11.02., Tikozigalpa Wismar
Das Gutscheinsystem als Repressionsmittel gegen Flüchtlinge
Infoveranstaltung
23.02., Peter-Weiss-Haus Rostock
alle Termine
alle Presseartikel
::Presse::
10.02.2012 [SVZ]
Rechtsextreme hetzen Ex-Kameraden / Rechte Internetseite stellt Ex-Kameraden an den Pranger
10.02.2012 [NK]
Die Spur der Steine kommt im April nach Neustrelitz / Zehn Erinnerungsträger, die von der Grausamkeit des Nationalsozialismus zeugen, sollen aufgestellt werden.
09.02.2012 [OZ]
Syrer droht Abschiebung aus MV / Ludwigslust Ein syrischer Top-Ingenieur soll abgeschoben werden, obwohl ihn ein Konzern einstellen will.
09.02.2012 [NK]
Kommunalpolitiker auf Suche nach dem richtigen Maß / Stadtvertreter diskutieren den Umgang mit NPD-Wahlplakaten
07.02.2012 [OZ]
Polizei verhindert Nazi-Rock im Schweinestall / Zwei Funktionäre der NPD hätten das Gebäude zwischen Viereck und Pasewalk gemietet
06.02.2012 [NK]
SPD-Ratsherr startet Initiative gegen "Fight Night" / Rüdiger Bretschneider will Gewaltverherrlichung und Extremismus künftig keinen öffentlichen Raum mehr in der Stadt bieten. Deshalb möchte er auch die "Fight Night" verbieten lassen.
04.02.2012 [NK]
TSV schafft Regeln gegen rechte Sportler / Der älteste Sportverein Deutschlands aus Friedland hat sich mit einer geänderten Satzung ganz klar gegen Rechtsextremisten in den eigenen Reihen ausgesprochen.
04.02.2012 [OZ]
Suche nach dem Motiv blieb ergebnislos / Prozess gegen den Vize-Bürgermeister wegen "Heil-Hitler"-Ruf endet mit Freispruch.
alle Presseartikel
|