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Bewährungsstrafe für rechte Schläger
Urteil. Weil sie Linke in Pölchow verprügelt haben, sind ein NPD-Mann und ein Gesinnungsgenosse jetzt verurteilt worden. Vor dem Saal brach erneut eine Prügelei aus.
17.03.2010
Von Corinna Pfaff
Rostock. Enttäuschung bei den Opfern, die als Nebenkläger bei dem mehrtägigen Prozess dabei waren; Erleichterung hingegen bei zumindest zwei der drei Angeklagten: Das Rostocker Landgericht beließ es gestern bei Bewährungsstrafen, nachdem im Juni 2007 auf dem Bahnhof Pölchow im Kreis Bad Doberan linke Jugendliche von Rechten verprügelt worden waren.
Michael Grewe, Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion und vom Gericht als "Rädelsführer" des Angriffs ausgemacht, erhielt wegen schweren Landfriedensbruchs und Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten auf Bewährung. Etwa 150 Anhänger der rechten Szene waren laut Gericht damals auf dem Weg zu einer Kundgebung in Rostock, als sie im Zug auf rund 50 linke Gegendemonstranten stießen. Mit Holzlatten schlugen sie laut Gericht wahllos auf ihre Opfer ein, traten sie und verletzten sie zum Teil erheblich.
Bei der Aktion seien außerdem unbeteiligte Passagiere zu Schaden gekommen, Familien dem Chaos ausgesetzt und das "allgemeine Sicherheitsgefühl der Bevölkerung" beeinträchtigt worden. Für ihre politische Gesinnung aber werde das Gericht die Männer nicht bestrafen, sagte der Vorsitzende Richter. "Dass ich persönlich finde, diese Gruppierung müsste verboten werden, steht auf einem anderen Blatt."
Michael Grewe, heute 41 Jahre alt und vierfacher Familienvater, hatte sich bei der Landtagswahl 2006 für die rechtsextreme Partei als Direktkandidat aufstellen lassen. Mehrere Opfer haben ihn auf Internetseiten wiedererkannt. Möglicherweise wird er das Urteil anfechten. Die Verteidigung will über eine Revision nachdenken.
Dennis F. wurde gestern wegen Landfriedensbruchs und Körperverletzung zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. "Eigentlich das, was wir erreichen wollten", sagte sein Verteidiger. Der 25-Jährige hat Glück gehabt. Er stand zur Tatzeit noch unter Bewährung. Allerdings sei die Bewährungszeit fast abgelaufen und er habe sie bis dahin ohne neue Straftaten durchgestanden, begründete der Richter die Entscheidung.
Dem Dritten im Bunde - der heute 22-Jährige gehört eigenen Angaben zufolge seit Jahren der rechten Szene an - konnte das Gericht eine Beteiligung nicht nachweisen. Er wurde freigesprochen. Die beiden Verurteilten müssen zudem 75 beziehungsweise 150 Stunden gemeinnützig arbeiten.
Zu milde finden die Nebenkläger die Bewährungsstrafen. Ein leises "Pfui" war dagegen aus den Reihen der Rechten zu hören, als der Richter das Urteil verlas. Unter den Besuchern im vollbesetzten Saal fast die gesamte NPD-Landtagfraktion, darunter auch ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Stefan Köster, selbst schon wegen Körperverletzung verurteilt. Anhänger der linken und der rechten Szene wurden im Saal streng voneinander getrennt. Die Polizei bildete eine lebende Mauer. Es blieb ruhig während der Urteilsverkündung.
Zur Konfrontation war es schon vor Verhandlungsbeginn gekommen. Da standen Rechte und Linke vor der verschlossenen Saaltür an. Zunächst friedlich, doch urplötzlich tat sich die Front auf. Prügelei, Schreie, Poltern, Blut. Die Polizei traf erst Minuten später ein.
Nordkurier
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