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Arndt-Debatte: Morgen entscheidet der Uni-Senat
16.03.2010
Greifswald - Es wird "Ernst": Nach rund einjähriger Diskussion entscheidet der Senat der Ernst-Moritz-Arndt-Universität morgen darüber, ob die Hochschule den Namen des umstrittenen Verfassers politischer Schriften (1769-1860) beibehält oder ablegt.
"Eine Universität, die für Weltoffenheit und Internationalität steht, sollte nicht den Namen eines Menschen tragen, der Nationalismus und Antisemitismus propagierte", sagte Vize-Senatsvorsitzender Thomas Schattschneider am Montag. Er hat den Antrag zur Ablegung des Namens miteingebracht. Die Uni trägt den Namen mit Unterbrechung seit 1933. Er wurde ihr vom damaligen preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring zuerkannt, der in der Hitler-Ära zu den führenden Politikern gehörte.
Die Entscheidung des 33-köpfigen Senats wird mit Spannung erwartet. Die emotional geführte Diskussion hat in den vergangenen Monaten tiefe Gräben gerissen. Absolventen der Universität schalteten am Wochenende in der OSTSEE-ZEITUNG eine große Anzeige, in der sie für eine Beibehaltung des Namens warben. Auch hatte sich die Bevölkerung in einer öffentlichen Anhörung mehrheitlich hinter Arndt gestellt. Sie sieht in ihm in weiten Teilen das Bild des Freiheitsdenkers und Patrioten. Dieses Bild wurde zu DDR-Zeiten auf der Grundlage seiner Schriften zur Abschaffung der Leibeigenschaft in Pommern propagiert.
Deutschlandweit tragen Schulen, Straßen und sogar Kasernen bis heute den Namen Arndts. Einen Kompromiss, da ist Schattschneider sicher, wird es nicht geben können. "Es gibt nur ein Ja oder Nein", sagte der Lehramtsstudent, der davon ausgeht, dass die Senatoren mehrheitlich für die Ablegung des Namens stimmen werden.
Es ist jedoch unklar, ob die für die Änderung der Grundordnung erforderliche Zweidrittelmehrheit erreicht wird. In einer studentischen Urabstimmung, an der rund 23 Prozent der 12 300 Studenten teilnahmen, hatten sich mehr Studenten für eine Beibehaltung als für eine Namensablegung ausgesprochen. Laut dem Sprecher der Initiative "Uni ohne Arndt", Sebastian Jabbusch, l
ässt sich dieses Bild nicht auf den Senat übertragen. "Eine Nichtablegung des Namens wäre eine große Blamage", meint er. Arndt sei ein Rassist, Franzosenhasser, Antisemit und Nationalist gewesen. Auf ihrer Internetseite zitiert die Initiative ausführlich aus Arndts Schriften. Morgen, dem Tag der Entscheidung, hat sie zu einer "Feier für den Abschied" eingeladen. Befürworter Arndts wollen hingegen eine Mahnwache für den Namenspatron abhalten. M. RATHKE
Ostseezeitung-Greifswald
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