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Wanderung im Gedenken an die ermordeten pommerschen Juden
09.02.2010
Greifswald - Anlässlich des 70. Jahrestages der ersten reichsweiten Deportation von Juden am 13. Februar 1940 lädt der Arbeitskreis Christen und Judentum zu einer Gedenkwanderung durch Greifswald ein. Unter den aus dem Regierungsbezirk Stettin verschleppten 1120 Deutschen waren mit Sicherheit auch fünf Greifswalder. Nach heutiger Kenntnis haben nur 19 der Deportierten überlebt, alle anderen kamen auf dem Transport in die Region Lublin, in den polnischen Deportationsorten und in Vernichtungslagern um. 2008 wurden in Greifswald elf Stolpersteine gesetzt, um an die jüdischen Mitbürger zu erinnern. Nach der Gedenkveranstaltung am 13. Februar um 10.30 Uhr auf dem Universitätshof werden diese besucht. Auch vor dem Historischen Institut befindet sich so ein Stolperstein, und zwar für Dr. Gerhard Knoche, der hier arbeitete. Der Weg führt bis zur Gützkower Straße 39, zum Stein für das Ehepaar Feldmann.
Noch kein Stolperstein wurde bisher für das prominenteste Mitglied der jüdischen Gemeinde Greifswald gelegt. Allerdings meldete sich schon ein Sponsor für einen Stein für den SPD-Reichstagsabgeordneten Dr. Julius Moses. An ihn erinnert Prof. Wolfgang Wilhelmus im letzten Heft der Zeitschrift "Zeitgeschichte regional." Moses wurde 1880 in Posen geboren. Sechs Jahre später nahm ihn sein Onkel, der kinderlose Greifswalder Schneidermeister Moritz Joseph Moses, auf. Später erinnert er sich positiv und sicher etwas verklärt an den freisinnigen Geist, der in Greifswald herrschte, an glückliche Jugendjahre, wo er sich rege am Kulturleben beteiligte. Er erwarb in der Boddenstadt 1888 das Abitur, studierte hier Medizin und wurde 1892 promoviert. Besonders imponiert hat ihm am Katheder Friedrich Loeffler, belegt Wolfgang Wilhelmus, indem er die unvollendet gebliebenen Erinnerungen des Arztes und Politikers aus den Jahren 1938 bis 1941 in der Zeitschrift publiziert. Das ist auch heimatgeschichtlich interessant.
1893 ging Moses nach Berlin und engagierte sich im Kampf gegen den Antisemitismus. 1912 trat er der SPD bei. Wie Wilhelmus weiter berichtet war Moses 1920 bis 1932 Reichstagsmitglied und ein sehr aktiver Gesundheits- und Sozialpolitiker.
Am 27. September 1942 ist Moses wenige Wochen nach seiner Ankunft im Konzentrationslager Theresienstadt gestorben. E. Ob.
Ostseezeitung-Greifswald
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