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Zeuge vergleicht Angeklagten mit Nazi-General
30.01.2010
Stadtmitte - Taschenkontrolle, Ausweispflicht und Polizeipräsenz: Im Prozess gegen drei Neonazis gelten weiterhin strenge Sicherheitsvorkehrungen. Stefan V. (22), Dennis F. (25) und NPD-Mitarbeiter Michael G. (41) sollen im Juni 2007 etwa fünfzig Rechte angeführt haben, die in Pölchow einen Zug mit Teilnehmern einer Anti-NPD-Demo überfallen hatten. Ein Zeuge hob den Inszenierungscharakter des Überfalls sowie die Vorreiterrolle von Michael G. hervor, den er selbst vor Gericht als "General" bezeichnete.
Der 22-Jährige bestätigte die Vorwürfe, denen sich die Angeklagten gegenübersehen: schwere Körperverletzung und Landfriedensbruch. Beim Halt in Pölchow seien mehrere Bewaffnete auf den Zug losgestürmt, als auch schon der erste Stein durch das Abteilfenster geflogen sei. Der Student berichtete weiter: "Die Glassplitter haben ein kleines Mädchen im Gesicht verletzt." Er habe versucht, das Kind samt seiner Mutter zu schützen und vom Ort des Geschehens zu entfernen. Währenddessen haben "die Nazis im Zug alles kurz und klein geschlagen".
Die Angreifer hätten aus zwei Trupps bestanden und einen organisierten Eindruck gemacht. "Es hat an Militärtaktik erinnert", sagte der Zeuge. Vor allem Michael G. habe sich durch Kleidung und Auftreten von den anderen abgehoben. "Wenn man Rommel kennt, den Wüstenfuchs...", warf der junge Mann in den Gerichtssaal, und ergänzte: "Ein General macht sich nicht selbst die Hände schmutzig." Auf diese Worte hin wurde es unruhig im Gerichtssaal. Der Zeuge hob die schwarzen "professionellen" Handschuhe des Angeklagten hervor, die bereits von anderen Zeugen als Quarzsandhandschuhe identifiziert wurden.
Neben den Attacken innerhalb des Zuges haben die Angreifer auch Leute aus dem Zug gezerrt. "Sie wurden getreten und mit Zaunlatten und Fäusten geschlagen", berichtete der junge Mann. Auch vermummte "Autonome Nationalisten" seien dabei gewesen. Er selbst sei zumindest von Stefan V. verletzt worden, den er wieder erkenne. Die anderen Angeklagten seien auf jeden Fall bei den Angriffen auf andere Personen dabei gewesen und haben Anordnungen erteilt. Der Abzug der Täter sei ebenfalls koordiniert verlaufen, die Trupps seien in den Wald gerannt, um der Polizei zu entgehen. NINA GOTTSCHALK
Ostseezeitung-Rostock
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