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Neonazi-Konzert im Jugendhaus "klex"

28.01.2010

Innenstadt - Die Enttäuschung sitzt bei Yvonne Görs tief. Noch immer kann die Geschäftsführerin des Stadtjugendrings kaum glauben, was am 27. Dezember im "klex" passiert sein soll. "Die Veranstaltungsinitiative ProTon hatte den Raum für eine private Party an einen 39-Jährigen vermietet, der uns seit Jahren bekannt ist", sagt Görs. Das sei eine übliche Angelegenheit, die zum Konzept dieses Vereins gehöre. Gegen eine geringe Nutzungsgebühr können Gruppen, studentische Fachschaften oder eben auch Privatpersonen hier feiern.

Görs: "Was wir weder wussten noch ahnten ist, dass der Mieter zu dieser geschlossenen Veranstaltung zwei rechtsextreme Bands eingeladen hatte." Nach OZ-Informationen handelte es sich um zwei Rechtsrock-Gruppen aus den NPD-Hochburgen Bargischow und Ueckermünde.

Als kürzlich Polizeibeamte der LKA-Sondereinheit MAEX (Mobile Aufklärung Extremismus) in der Tür standen, fielen Yvonne Görs und ihre Mitstreiter aus allen Wolken. "Wir sind total enttäuscht und geplättet, dass der 39-Jährige unser Vertrauen so missbraucht hat." Die Geschäftsführerin hat seither mehrfach versucht, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Das sei allerdings nicht ganz leicht, weil der Mann auf Montage arbeite. Mittlerweile habe es jedoch ein Telefonat gegeben, "dem noch in dieser Woche ein persönliches Gespräch mit dem Vorstand des Stadtjugendrings folgt", versichert Görs.

Der Vorfall sei für alle im "klex" umso schockierender, da das Jugendzentrum in der Szene eher als linksgerichtet gelte. Rechtes Gedankengut sei hier verpönt, was Anhänger solcher Gruppen wüssten.

Unverständlich also, dass es zu diesem Auftritt kam.

"Wir ziehen auch Jugendliche von Randgruppen sowie Leute, die politisch noch nicht gefestigt sind, in unser Haus", erklärt Janko Moede vom Vorstand des Stadtjugendrings und fügt hinzu: "Denn wir sehen es als unsere Aufgabe, sie nicht links liegen zu lassen, sondern zu integrieren, ihnen Werte zu vermitteln." Immerhin sei das "klex" Heimat für etwa zehn Vereine sowie acht Angebotsgruppen.

Hier fänden Nachwuchsmusiker ebenso ein zweites Zuhause wie Radfreaks, Sportler oder handwerkliche Talente.

"Deshalb wissen wir auch, dass das Haus kein Ort rechter Gedanken ist", sagt Dr. Christine Dembski. Als Koordinatorin des Präventionsrates der Hansestadt wurde sie vom "klex" über den Vorfall informiert und gibt dem Stadtjugendring Rückendeckung: "Wichtig ist jetzt, Konsequenzen aus dieser Sache zu ziehen." "Das werden wir", versichert Marian Kummerow, Vereinsmitglied bei ProTon, der ebenfalls "maßlos über diese Person enttäuscht" ist. Eventuell werde sie mit einem Hausverbot belegt. "Außerdem gucken wir, wie solch ein Vorfall künftig auszuschließen ist", äußert er. Wahrscheinlich würden in Zukunft stets ein oder zwei ProTon-Mitglieder bei den Privatpartys mit vor Ort zu sein.

KOMMENTIERT

Entrüstung allein genügt nicht

Die Reaktionen wirken jedes Mal wie abgepaust. Immer, wenn es Neonazis gelungen ist, einen öffentlichen Jugendclub für ihre Umtriebe zu missbrauchen, wenn die rassistischen Parolen längst gesungen sind, ist der Aufschrei groß und die Verantwortlichen ringen um Worte. "Der geht hier seit Jahren ein und aus, gehört zu den engagierten Mitstreitern. Wir haben so was nicht geahnt", heißt es dann oft, Entrüstung inklusive.

Dabei ist die Neonazi-Strategie, öffentliche Räume und speziell kommunale Jugendeinrichtungen zu besetzen, längst nicht neu. In Bargischow, dort wo eine der beiden Bands zu Hause ist, hat der Bürgermeister 2007 seinen Jugendclub aus Verzweiflung gleich offiziell an die Rechten übergeben. Der Fall sorgte landesweit für Schlagzeilen. Nazis sind mobil und nicht nur im Landkreis, sondern seit geraumer Zeit auch wieder in Greifswald aktiv. Mitarbeiter in Jugendclubs sollten das im Auge haben und wachsam sein. BENJAMIN FISCHER

PETRA HASE

Ostseezeitung-Greifswald

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