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02.07.2003
Zu verletzt, um schweigen zu können - Theater zeigt Ausstellung "Verehrt Verfolgt Vergessen - Schauspieler als Naziopfer" von Historiker Ulrich Liebe
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Hier noch verehrt: Kurt Gerron und Andrée La Fayette 1927 in dem Stummfilm "Glanz und Elend der Kurtisanen". |
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Der Schauspieler Otto Wallburg starb 1943 in den Gaskammern von Auschwitz. |
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Joachim Gottschalk hielt dem Druck der Nazis nicht stand und setzte 1941 seinem Leben selbst ein Ende. |
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Fritz Grünbaum stirbt 1941 völlig entkräftet im Konzentrationslager Dachau. |
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Der Schauspieler Paul Morgan starb 1938 im Konzentrationslager Buchenwald. |
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Robert Dorsay wurde 1941 wegen "Wehrkraftzersetzung" verurteilt und hingerichtet. Hans Otto wurde 1933 unmittelbar nach einem Verhör von Nazis aus dem Fenster geworfen. |
Von unserem Redaktionsmitglied Antje Wegwerth
Anklam. Es ist Spätherbst 1937. Am Berliner "Admiralspalast" prangt in großen Lettern "Heut' bin ich verliebt", eine "Revue-Operette" aus der Feder von Robert Dorsay und Walter W. Espe. Robert Dorsay steht allabendlich selbst auf der Bühne. Ein kleiner, rundlicher Mann und ein erstaunlicher Tänzer. "Komm tanz mit mir Swingtime." Swingtime? In den Tanzlokalen ist das Swingtanzen verboten, dem Rundfunk das Senden von Swingmusik ausdrücklich untersagt. Doch die Leisetreterei vieler seiner Kollegen liegt Robert Dorsay nicht. Sechs Jahre später, am 1. November 1943 steht sein Name wieder in schwarzen Lettern auf rotem Grund an einer Litfasssäule: "Robert Dorsay hingerichtet wegen Wehrkraftzersetzung".
Zeitzeugen befragt
Dorsays Schicksal und das vieler seiner Kollegen wäre "eine nie erzählte Geschichte" (Ignaz Bubis), wenn Ulrich Liebe sich nicht aufgemacht hätte, Menschen zu finden, die sie erzählen können. Vier Jahre hat der in Hannover geborene Historiker recherchiert, zugehört und geschrieben.
Entstanden ist daraus die Wanderausstellung "Verehrt Verfolgt Vergessen - Schauspieler als Naziopfer", die noch in diesem Jahr, ab November, im Anklamer Theater gezeigt wird. Seit zehn Jahren bringt die Herbert Ihering Gesellschaft, dessen Geschäftsführer Ulrich Liebe ist, die Ausstellung an Theaterhäuser. Zu den Schirmherren zählten unter anderem der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog und Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth. Als Schirmherren für Anklam hat das Theater Bürgermeister Michael Galander auserkoren - und der hat nach eigenen Aussagen "gern zugesagt".
Gleichnamiges Buch
Wer bis November nicht mehr warten möchte, dem bietet das gleichnamige Buch zur Ausstellung bereits einen ersten Einblick. Ulrich Liebe dokumentiert hierin neben Dorsays Leben das Schaffen sechs weiterer Schauspieler: Kurt Gerron, der 1944 in Auschwitz vergast wird; Joachim Gottschalk, der dem Druck der Nationalsozialisten nicht gewachsen ist und 1941 seinem Leben selbst ein Ende setzt; Fritz Grünbaum, der 1941 entkräftet im KZ Dachau stirbt; Paul Morgan, der 1938 in Buchenwald ums Leben kommt; Hans Otto, den Nationalsozialisten 1933 nach einem Verhör aus dem dritten Stock stoßen; Otto Wallburg, der 1943 in Auschwitz vergast wird. "Hier schreibt einer, den die Geschichte verletzt hat und der die `Gnade der späten Geburt` nicht als Entschuldigung benutzt. Sie ist ihm Verpflichtung anzuschreiben gegen das Verdrängen, gegen das neue Unrecht, da in Deutschland wieder `deutschgetümelt`, mitunter sogar gehetzt und geschlagen wird", urteilte die Süddeutsche Zeitung.
Ulrich Liebe: Verehrt Verfolgt Vergessen. Schauspieler als Naziopfer, Weinheim, Berlin 1997. ISBN: 3-88679-292-7
Nordkurier-Anklam
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