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28.06.2003
Big Brother auf dem Schulhof - Beobachtungsfelder beschränken sich ausschließlich auf das Schulgelände

Schwerin  (ddp). Die vor etwa eineinhalb Jahren als Modellprojekt begonnene Videoüberwachung von Schulhöfen in Schwerin und Greifswald hat sich offenbar bewährt. Wie der Chef des Landeskriminalamts, Ingmar Weitemeier, am Freitag in Schwerin sagte, sind an den drei Schulen die strafbaren Sachbeschädigungen rapide zurückgegangen. Lediglich an der Erich-Weinert-Schule in Schwerin habe es zwei Vorfälle gegeben.

An den für das bundesweit einmalige Modellprojekt ausgewählten Schulen gab es in den beiden Jahren zuvor überdurchschnittlich viele Beschädigungen. So waren unter anderem an der Erich-Weinert-Schule in Schwerin im März 2000 Wände mit Hakenkreuzen beschmiert, im April 2000 und im November 2001 schwere Einbrüche verübt sowie mehrmals etliche Fensterscheiben eingeworfen worden. Nach Projektbeginn im Februar 2002 wurde beispielsweise nur noch eine Graffiti-Schmiererei festgestellt.

Die Beobachtungsfelder der insgesamt 16 an den 3 Schulen installierten Videokameras beschränken sich ausschließlich auf das Schulgelände. Sie sind nur während der schulfreien Zeit abends und nachts sowie samstags, sonn- und feiertags in Betrieb. Das Modellprojekt ist auf vier Jahre angelegt.

Nordkurier

28.06.2003
Kommentar: Versteckte Kamera


Thomas Beigang

Die Fischadler in Federow, dem idyllischen Örtchen im Müritz-Nationalpark, können sich nicht beschweren. Obwohl seit Jahr und Tag nicht nur das Liebesleben der beiden Alten, sondern auch deren von mehr oder weniger Pädagogik geprägtes Aufzuchtverhalten ungefragt per Video mitgeschnitten wird. Und nicht nur das: Die "Voyeure" unter den Besuchern können das hautnah am Fernseher miterleben.

Was hier eher naturwissenschaftlichen Zwecken geschuldet, hat bei der Videoüberwachung von Menschen ganz andere Ursachen. Dort wird nicht geforscht, sondern kontrolliert. Fehlverhalten soll beweisbar sein. Ungezählte Videokameras an Bahnhöfen, Tankstellen, Geldautomaten oder in Stadtzentren künden von diesem Bestreben der Ordnungsmacht. Und - leider - haben wir uns schon alle viel zu sehr daran gewöhnt.

Technisch ist jenes gespenstisch anmutende Szenario doch kein Problem mehr: "Der Staat" kann minutiös nachvollziehen, wer sich wann an welchen Orten in der City aufgehalten hat. Videokameras, sichtbare und die besonders gefährlichen versteckten, decken jeden Quadratmeter ab. Verbunden mit den technischen Observierern sind automatisierte Gesichtserkennungs-Programme, die binnen weniger Sekunden die persönlichen Daten der gefilmten Person abrufen können. Anonymität wird zum Fremdwort. Das mag an manchen früher häufig von Vandalen heimgesuchten Schulen nicht zutreffen. Hier sollen in der unterrichtsfreien Zeit Gebäude und Schulhof geschützt sein vor Anschlägen frustrierter und gelangweilter Täter. Die wissen, im Falle einer Übertretung löst die Kamera "Alarm" aus.

Ganz anders sieht die Überwachung von "potenziell" gefährdeten Plätzen aus, wo jeder zu jeder Zeit, wie einst bei Orwell als düstere Zukunftsvision beschrieben, beobachtet und gespeichert werden kann. Hier verhindert keine Kamera Kriminalität, sondern verdrängt sie nur an andere Orte, wo (noch) keine Videomitschnitte möglich sind. Niemand kann ernsthaft eine flächendeckende Videoüberwachung wollen. Aber - mit jeder installierten Kamera kommen wir dem ein Stück näher. Es ist an der Zeit, gründlich und mit Unterstützung der Datenschützer in den Kommunen und im Land darüber nachzudenken, mit wie viel Videoüberwachung man künftig leben wolle. Nicht jedem Begehren von Bürgermeister oder der Ordnungsmacht ist stattzugeben. Die Federower Adler können sich nicht wehren. Wir schon.

Nordkurier

28.06.2003
Videoüberwachung stört Schüler nicht
Drei Schulen in M-V werden mit Videokameras überwacht. Gestern zogen die Initiatoren eine positive Zwischenbilanz.

Schwerin (OZ) Ein Kraftausdruck wurde in giftgrünen Lettern auf die Eingangstür der Erich-Weinert-Schule geschmiert. Es war die letzte Graffiti-Attacke auf das Schweriner Schulgebäude, bevor im Februar 2002 Videokameras installiert wurden.

Die Initiatoren des Modellprojekts zogen gestern eine positive Bilanz. Das Landeskriminalamt in M-V (LKA), eine Versicherung und Vertreter der Schweriner Schulbehörden sind zufrieden. "Die Videoüberwachung hat ihren Zweck, Sachbeschädigungen abzuwehren, erfüllt", sagt LKA-Direktor Ingmar Weitemeier.

Zwei Schulen in der Landeshauptstadt und eine Schule in Greifswald werden seit mehr als einem Jahr mit Videokameras überwacht. Nach Schulschluss und über das Wochenende sind die Kameras aufnahmebereit. "Es erfolgt eine Überwachung von Gebäuden, nicht von Menschen", stellt Egon Stabenow von der Provinzial-Versicherung klar. Für die drei Schulen investierte die Versicherung rund 35 000 Euro. In einigen Schulen betrugen die Belastungen durch Einbrüche, Vandalismus oder Schmierereien pro Jahr bis zu 10 000 Euro. Die Ausweitung des Projekts auf weitere Schulen steht nicht zur Diskussion.

Einzig in der Erich-Weinert-Schule konnten sich Sprayer trotz Kameraüberwachung an das Gebäude heranschleichen. "Wir lernten aus dem Fehler und installierten eine zusätzliche Kamera", sagt Weitemeier. Seitdem herrscht Ruhe.

"Ich fühle mich jetzt viel sicherer", erklärt die 14-jährige Laura Nitsch. Auch ihre Freundin Sneshana Degtjarva hat keine Probleme damit, dass sieben Videokameras ihre Schule zieren. So ganz genau können die Teenager nicht sahen, wo überall die Technik installiert wurde. Sandra Mull (14) würde es auch nicht stören, wenn die Kameras ständig aufzeichnen würden. "Ich bin ja die meiste Zeit in der Schule." Von den zu Projektbeginn geäußerten Bedenken fehlt nun jede Spur. "Die orwellschen Visionen sind nicht eingetreten", meint der Schweriner Schuldezernent Hermann Junghans.

"Wir sind sehr glücklich über die Kameras", erzählt Heidrun Schwerdt, Mitarbeiterin der Greifswalder Erich-Weinert-Schule. "Früher standen oft Polizeiautos auf dem Schulhof, wenn die Schüler zum Unterricht gingen", erinnert sich die 59-Jährige. Seit mehr als zwölf Monaten gab es in der abgelegenen Bildungseinrichtung keinen Zwischenfall.

Die Modellprojekte, laut Versicherung sogar einmalig in der Republik, sollen in den drei Schulen fortgesetzt werden. Nach ungefähr zehn Jahren haben sich die Investitionen amortisiert. Und die Unterhaltskosten sind für den Schulträger "verschwindend gering", so Hans-Peter Jarzimski, Mitarbeiter der Schweriner Schulverwaltung. Über eine Telefonleitung werden die Anlagen ein- und ausgeschaltet. Da bisher nennenswerte Angriffe ausblieben, kamen die Kameras selten zum Einsatz.

Gesprayt wird aber weiterhin. Gleich hinter der Schweriner Erich-Weinert-Schule. Vom Treppenhaus fällt der Blick auf eine reich verzierte Klinkerwand. Keine 15 Meter entfernt.

MAIK EHRLICH

Ostseezeitung

28.06.2003
Kommentar: Videoüberwachung an Schulen - Kein Königsweg

Die Videoüberwachung von drei Schulen in Schwerin und Greifswald hat dort Sachbeschädigungen verringert und das Sicherheitsempfinden bei Schülern wie Lehrern verbessert. So lautet die positive Bilanz für das einjährige Modellprojekt des Landeskriminalamts.

Das mag hoffnungsvoll klingen für Schulen, denen mitunter durch Schmierereien, Einbrüche oder zerschlagene Scheiben Schäden bis zu 10 000 Euro entstehen. Auf der anderen Seite wird die Freiheit, sich unbeobachtet zu bewegen, eingeschränkt. Dieser Einwand sollte nicht vom Tisch gefegt werden, wenn es darum geht, dieses bundesweit einmalige Pilotprojekt auszuweiten. Die Videoüberwachung ist kein Königsweg.

Die Initiatoren unterstellen in den drei konkreten Fällen, dass die 35 000 Euro teure Technik eine vorbeugende Wirkung erzielte. Das Gegenteil ist schwer zu beweisen. Die Statistik jedoch vermeldet, dass Einbruchsdiebstähle an den Schulen von M-V seit 2000 von 1144 auf 817 Fälle im letzten Jahr gesunken sind. Es geht offensichtlich, auch wenn die Zahl noch zu hoch ist, ohne Kameras.

Der Vorsatz, die Schulen für Kinder und Lehrer sicherer zu machen, ist ohne Einwände zu unterstützen. Sicherheitstechnik sollte jedoch gerade bei Eltern und Lehrern nicht dazu führen, eine Aufgabe zu vernachlässigen: den Vandalismus erzieherisch zu bekämpfen.

Ostseezeitung

28.06.2003
Überwachung bremst Vandalismus - Landeskriminalamt: Modellprojekt hat Schulen in Schwerin sicherer gemacht

Schwerin (TW) Eine überaus positive Zwischenbilanz des Modellprojektes "Videoabsicherung von Schulgebäuden" zog gestern Ingmar Weitemeier, Direktor des Landeskriminalamtes (LKA). Seitdem die Kameras Gebäude und Hof der beiden Schweriner Schulen "Erich Weinert" und "Erich Kästner" sowie der Greifswalder Erich-Weinert-Schule in der Nacht sowie an Sonn- und Feiertagen überwachen, gäbe es bis auf zwei Ausnahmen keinen einzigen Sachschaden mehr zu vermelden. Davor gab es allein an den Schweriner Schulen 60, für alle drei Schulen zahlte die Provinzial-Versicherung, die das Modellprojekt mit initiiert hat, allein im Jahr 2000 fast zwei Millionen Euro für die Regulierung der Schäden.

Die Erfolgsbilanz sei Grund genug, das Modellprojekt fortzuführen, zumal an den drei Schulen auch ein positiver Nebeneffekt zu verzeichnen sei. Weite-meier: "Die Schulhöfe sind sauberer und außerdem ist das subjektive Sicherheitsempfinden von Schülern, Lehrern und Eltern gesteigert", sagte Weite-meier. Der LKA-Chef ermutigte weitere Schulen im Land prüfen zu lassen, ob auch für sie eine Videoüberwachung in Frage käme. "Wir beraten da gern."

Außerdem gäbe es bundesweit ein großes Interesse an dem Modellprojekt. "Meiner Kenntnis nach ist es deutschlandweit einmalig. Viele Kollegen haben schon bei uns nachgefragt, ob wir ihnen unsere Zwischenergebnisse zur Verfügung stellen können", sagte Weitemeier. Ähnliches berichtete auch Egon Stabenow, Vorstandsmitglied der Provinzial.

Schweriner Volkszeitung

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