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27.06.2003
Streit um Ausweich-Quartier für Alternatives Jugendzentrum - Mehrheit beschließt Unterstützung des Vereins - Ärger über Punker-Chaos
Von unserem Redaktionsmitglied Reinhard Wehden
Neubrandenburg . Ein Streit ist gestern in der Neubrandenburger Stadtvertretung um das Alternative Jugendzentrum (AJZ) entbrannt. Schließlich setzte sich eine knappe Mehrheit von PDS- und SPD-Abgeordneten mit 14 Ja-Stimmen gegen 11 Nein-Stimmen insbesondere auf CDU-Seite und drei Enthaltungen für die "Sicherung des AJZ" durch. Damit wurde Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU) beauftragt, die Nutzung der jetzigen Räume in der Speicherstraße durch den Verein zu unterstützen, bis die Webasto-GmbH das Gelände wirklich nutzen will. Zugleich soll durch die Stadt weiter nach einem Domizil gesucht werden, das den besonderen Bedürfnissen des AJZ entspricht.
Irina Parlow, Vorsitzende der PDS-Fraktion, argumentierte, dass der städtische Vorschlag, der Jugendverein solle den Klub UFO in Monckeshof nutzen, unbrauchbar sei. In fünf Kilometer Entfernung vom Stadtzentrum sei das Gebäude von den meist nicht motorisierten Jugendlichen kaum nutzbar. Die Besucher, die aus der gesamten Stadt kommen, würden ausbleiben, wertvolle Projekte zu nichte gemacht. Die PDS-Ratsfrau verwies auf Bandproberäume, Fahrradwerkstatt, Kreativwerkstatt und Infoladen. Sie hob hervor, dass es vom AJZ ebenso Hilfe für Behinderte gebe wie das Zentrum größter Veranstalter von Jugendkonzerten in der Stadt sei.
"Differenziertes Bild"
Es gebe durchaus ein differenziertes Meinungsbild in der Stadt, hielt Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU) dem entgegen. Viele würden das Punkertreffen am Wochenende nach Himmelfahrt und seine Auswirkungen mit dem Alternativen Jugendzentrum in Verbindung bringen. Ums AJZ in der Speicherstraße herum hatten viele der Teilnehmer des so genannten Punker-Picknicks ihre Zelte aufgeschlagen. CDU-Ratsherr Jürgen Schwanke wurde noch deutlicher: Als Dank für die Bemühungen der Stadt habe es das Chaos-Wochenende im Strandbad Broda gegeben, meinte er ironisch. Eigentlich sollte empfohlen werden, die Unterstützung für
den Verein einzuschränken.
Krüger hob hervor, dass sich die Stadt seit längerem um einen brauchbaren Standort für das AJZ bemühe, aber nicht in der Lage sei, einen zusätzlichen Jugendklub mit großem finanziellen Aufwand zu bauen oder herzurichten. Auf die Nutzung des Standorts in der Speicherstraße habe er keinen Einfluss, da es sich um privates Gelände handle. Dessen Besitzer habe den Mietvertrag mit dem Verein zum 30. September gekündigt, um Webasto die Möglichkeit zur Erweiterung und die Schaffung weiterer Arbeitsplätze zu geben. Und das sei nur zu unterstützen. Gestern wurde allerdings auch deutlich, dass derzeit zwei weitere Standortvorschläge für das AJZ geprüft werden.
Nordkurier-Neubrandenburg
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