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27.06.2003
"Peenemünde bietet vorzügliche Bedingungen" - OZ-Interview zur Wehrmachtsausstellung ab 25. Juli mit Peter Klein vom HIS und Dirk Zache vom HTI Peenemünde

Wolgast (OZ) OSTSEE-ZEITUNG: Herr Klein, was hat Ihr Institut veranlasst, die Ausstellung nach Peenemünde zu vergeben?

Peter Klein: Wir haben sie bisher durchaus nicht nur in Großstädten und Ballungsgebieten gezeigt. Unsere zum Beispiel in Schwäbisch Hall oder Neumünster gesammelten Erfahrungen zeigen, dass auch in anderen Gebieten die Resonanz groß ist. Zumal hier auf der Insel Usedom durch die vielen Urlauber ein bunt gemischtes Publikum angesprochen wird. Vor allem aber war bei der Entscheidung auf die Bewerbung Peenemündes ausschlaggebend, dass sich hier schon eine ständige Ausstellung zum Thema Nationalsozialismus befindet, dass der örtliche Veranstalter, das Museum Peenemünde, ausgezeichnete Möglichkeiten der Präsentation bietet - wir benötigen dafür um die 1000 Quadratmeter Fläche - und dass hier erfahrenes und geschultes Museumspersonal vorhanden ist.

Dirk Zache: Für uns sprach letztlich auch, dass wir hier an einem Ort sind, an dem die Wehrmacht ihr größtes Rüstungsprojekt unterhielt und dass die Ausstellung zum ersten Mal in Mecklenburg-Vorpommern gezeigt werden kann.

OZ: Gab es außer Prora und Peenemünde weitere Bewerber in unserem Bundesland?

Klein: Meines Wissens nicht. Die notwendigen Bedingungen konnten letztlich nur in Peenemünde garantiert werden, als da sind: ein Sicherheitskonzept, pädagogisch vorgebildetes Personal, geklärte Finanzierung, Möglichkeit des Stellens der Exponate.

OZ: Was die Finanzierung betrifft, so ergibt sich die Frage, mit welchen Besucherzahlen Sie kalkulieren, um zumindest die entstehenden Kosten zu decken.

Zache: Einerseits hoffen wir auf zahlreiche Tagestouristen, die zusätzlich zu den Urlaubern in die Ausstellung kommen. Andererseits wissen wir, dass es angesichts des zu erwartenden Ausbleibens von Schulklassen in der Frühphase durch die Ferienzeit auch Unwägbarkeiten gibt. Letztlich rechnen wir mit mindestens 20 000 Besuchern, die ausreichen würden, um finanziell klar zu kommen. Doch natürlich freuen wir uns über jeden Gast mehr. Wobei gesagt werden muss, dass für die Kosten zum größten Teil die Landesregierung und die Landeszentrale für Politische Bildung aufkommen.

OZ: Wie wird die Betreuung der Ausstellungsbesucher gesichert; ist das Institut für Sozialforschung selbst ständig vor Ort?

Klein: Das Personal wird vom örtlichen Veranstalter ausgewählt und gestellt. Wir gewährleisten die entsprechende Schulung dieser Kräfte. Zum Beispiel dadurch, dass wir für diejenigen, die für die Führungen verantwortlich sind, spezielle Einweisungen veranstalten oder dass wir vor der Eröffnung nochmals mit den Mitarbeitern einen Rundgang unternehmen, um sie auf Schwerpunkte hinzuweisen. Ansonsten werden wir, wie an den bisherigen Ausstellungsorten auch, nicht ständig anwesend sein.

Zache: Wir haben befristet für zweieinhalb Monate den Hamburger Politologen Dr. Harald Schmid eingestellt, der Mitarbeiter im Ausstellungsteam "Verbrechen der Wehrmacht" war.

OZ: Welche Wirkungen erwarten Sie?

Zache: Uns geht es in hohem Maße um Aufklärung. Die Ausstellung wird auch dazu beitragen, dass wir dem immer noch vorhandenen Mythos Peenemünde entgegen treten können, ebenso wie es mit dem Mythos der Wehrmacht der Fall ist. Und schließlich erwarten wir nicht zuletzt eine Langzeitwirkung für das Museum Peenemünde, für unsere ständige Ausstellung. Das geschieht letztlich auch durch die etwa 45 verschiedenen Veranstaltungen, zum Beispiel die Vorträge, mit denen die Ausstellung ergänzend begleitet wird.

Was die angekündigten Aktionen der Rechten gegen die Wehrmachtsausstellung betrifft, so ist wichtig, dass in der gesamten Region erkannt wird, dass im aktiven Bekenntnis für die Exposition in Peenemünde eine große Chance besteht. Und zwar die, den Ewiggestrigen zu zeigen, dass sie hier keine Basis haben.

Interview: D. BUTENSCHÖN

Ostseezeitung-Wolgast

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