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21.06.2003
Freiheit ist etwas wirklich Großartiges - Schüler sprachen für Anti-Rassismus-Projekt "Faktor X" mit dem Film- und Fernsehproduzenten Gyula Trebitsch

Boizenburg "Des Teufels General" und "Der Hauptmann von Köpenick" sind zwei bekannte Produktionen von Gyula Trebitsch. Schüler sprachen für "Faktor X" mit ihm über Gestern, Heute und Morgen.

Gyula Trebitsch bietet da einen scheinbar unerschöpflichen Gesprächsstoff. Und das nicht nur, weil er sich mit seinen rund 100 Spiel-, Kultur- und Dokumentarfilmen einen Namen als Produzent machte sowie als solcher auch mit um die 1000 Fernsehspiele, Serien ("Diese Drombuschs" und "Mit Leib und Seele" sind zwei Beispiele) und Dokumentationen über die Grenzen von Deutschland hinaus beträchtliches Aufsehen erregte.

Der Mann, der mit Stars wie Romy Schneider, Barbara Rüttig und Heinz Rühmann, um nur einige zu nennen, gearbeitet hat, begrüßte im Rathaus die Schüler sehr freundlich und offenherzig.

Die Teilnehmer der Projektgruppe "Faktor X", die für die geplante Wanderausstellung zum Rassismus unserer Zeit u.a. bereits auch schon im Asylbewerberheim in Horst recherchierten (wir berichteten), wollten auch Gyula Trebitsch, der über sich sagt, vom Glauben her Jude zu sein, interviewen und durften ihn alles fragen.

Es war besonders schlimm, keinen Namen zu haben

Bei der Vergangenheit ging es natürlich auch um seine Einberufung zum jüdischen Arbeitsdienst nach Vac (Mai 1942), der Verlegung an die sowjetische Front nach Salte Novka und Gomel, der Arbeit in den Kupferminen von Bor (Jugoslawien) folgte. Von dort aus kam er im November 1944 in das KZ Sachsenhausen, wurde im selben Monat in das KZ Barth und dann in das KZ Wöbbelin transportiert, wo er am 2. Mai 1945 befreit wurde.

Das Schlimmste war für ihn, so antwortete er auf eine entsprechende Frage, eine Nummer zu sein. "Jede Katze, jeder Hund und jeder Papagei hat einen Namen. Als KZ-Häftling war ich nur die Nummer 12331", sagte Gyula Trebitsch, der, wie er freimütig mit einem Lächeln erklärte, nach 1945 aus einem einfachen Grund nicht ins Ausland gegangen ist: "Ich hatte mich verliebt."

Es war eine Kostümbildnerin aus einer alten Hamburger Hafenfamilie, die nicht mehr wandern wollte. So blieb auch er, leitete zunächst in Itzehoe zwei Kinos, die er gepachtet hatte und gründete 1947 mit seinem Partner Walter Koppel die Real-Film. Eine erfolgreiche Karriere nahm ihren Lauf. Auf die Frage, ob er gegen die Deutschen keinen Groll empfand, sagte er: "Hätte ich nach meiner Befreiung gesagt, dass alle Deutschen für das Geschehene verantwortlich sind, wäre ich nicht besser als Hitler gewesen, der sagte, alle Juden sind Verbrecher. Sicher gibt es welche, aber doch nicht alle, wie hier auch."

Als großes Glück, das er übrigens 1945 mit seiner ersten eigenen Gabel verband, empfindet er es heute, in Deutschland in einer unglaublichen Freiheit leben zu können. Die demokratische Freiheit ist etwas wirklich Großartiges, schwärmte Gyula Trebitsch, der den Jugendlichen mit auf den Weg gab, viel zu lesen. Auch im Zeitalter der fortschreitenden Digitalisierung sei diese Form der Kommunikation wichtig, weil sie die Hirntätigkeit anregt. Die geistige Frische des vielbelesenen 88-jährigen Gastes ist dafür ein Beispiel.

Schweriner Volkszeitung-Hagenow

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