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20.06.2003
Wehrmachts-Schau einhellig begrüßt - Jugendhilfeausschuss bietet Unterstützung - Peenemünde rechnet mit 20 000 Besuchern

Peenemünde/Ostvorpommern (OZ) Es ist eine Premiere in vielerlei Hinsicht. Mit Peenemünde kommt die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941 bis 1944" erstmals an einen authentischen Ort der Wehrmachtsgeschichte. Anders als in Berlin, Bielefeld, München oder Leipzig werden die Zeugnisse des Vernichtungskrieges außerdem erstmals nicht in einer großen Stadt, sondern mitten auf dem platten Land gezeigt. Ein Novum, wie Dirk Zache, Direktor des Historisch-Technischen Informationszentrums (HTI) Peenemünde, jetzt vor dem Kreis-Jugendhilfeausschuss unterstrich.

Die Ausschussmitglieder wollten mehr wissen über dieses Ausstellungsprojekt, das vom 25. Juli bis 7. September mindestens 20 000 Besucher anziehen soll. "Bis zu 50 Prozent davon sind laut Erfahrung anderer Veranstaltungsorte Schüler", berichtete Zache, selbst erstaunt über diesen hohen Anteil. Auch in Ostvorpommern ist das Interesse groß, berichtete Eckhard Behnke vom Kreis-Jugendamt. Seine Sozial- und Schulsozialarbeiter seien richtig froh, bald die Möglichkeit zu haben, einen Ausstellungsbesuch mit Kindern und Jugendlichen machen zu können. Deshalb wird auch in Peenemünde der Eintritt für Schüler mit 1,50 Euro deutlich unter dem normalen Eintrittspreis von 5 Euro liegen.

Doch die vielbeachtete Schau stellt das Museumsteam um Zache auch vor Probleme. Zu den täglich rund 1800 Gästen, die in der Hochsaison das HTI besuchen, kommen ab 25. Juli nochmals rund 500 Besucher der Wehrmachtsausstellung. Zur Betreuung der Gäste hat Zache bereits 15 Studenten eingestellt, allesamt mit Politologie-, Pädagogik- und Geschichtsstudiengängen vom Fach. Ein Buchungstelefon für Ausstellungsführungen, von denen es bis zu vier gleichzeitig geben wird, ist bereits jetzt besetzt. Zu der eigentlichen Ausstellungsvorbereitung - sie wird in der Turbinenhalle aufgebaut - kommt ein mit hochkarätigen Veranstaltungen bestücktes Rahmenprogramm, u.a. mit dem Tel Aviver Soziologen Prof. Natan Sznaider zu dem Thema "Die deutsche Reue/Das Verzeihen".

In einem Brief will der Jugendhilfeausschuss jetzt allen Schulen im Kreis die Ausstellung ans Herz legen. Gleichzeitig forderten Dirk Zache sowie Ausschussmitglied Lars Bergemann (PDS) das Gremium auf, Zeichen gegen die schon jetzt angekündigten Proteste rechter Gruppen zu setzen.

Antje Mühle

Ostseezeitung-Wolgast

20.06.2003
20 000 Besucher in Peenemünde angepeilt - Kreis übernimmt Transportkosten für Jugendgruppen zur Wehrmachtsausstellung - "Fest der Kulturen" geplant

Ostvorpommern (as/ure). Für die Wehrmachtsausstellung, die vom 25. Juli bis zum 7. September auf dem Gelände des Historisch-Technischen Informationszentrums (HTI) in Peenemünde zu sehen sein wird, erwartet HTI-Chef Dirk Zache etwa 20 000 Besucher. Das erklärte er jetzt vor den Mitgliedern des Kreisjugendhilfeausschusses, denen er das Projekt vorstellte. Andere Ausstellungsorte wie Berlin hätten 50 000 Besucher verzeichnet - solche großstädtischen Zahlen seien aber trotz der Urlaubersaison nicht zu erwarten, so Zache.

Die Kosten der 45-tägigen Ausstellung in Höhe von 70 000 Euro wird das Land tragen. "Wir brauchen aber noch mehr", meinte Zache. Zusätzliche Einnahmen erwartet er sich aus den Eintrittsgeldern.

Wenn die Zahl von 20 000 erwarteten Besuchern nicht erreicht werde, bleibe das finanzielle Risiko der Veranstaltung an der Gemeinde Peenemünde hängen, erklärte Zache auf Nachfrage des CDU-Kreistagsabgeordneten Gunther Schulze. Rechte Szene aktiv Dieses Risiko ist wohl gering. Denn1800 Besucher verzeichne das HTI ohnehin täglich, etwa 500 mehr werden es durch die Ausstellung wohl werden. Problematisch sei, dass die Ausstellung zum Großteil während der Sommerferien gezeigt werde, so dass zu dieser Zeit keine Schulklassen hinfahren werden, die woanders 20 bis 50 Prozent der Besucher stellten.

Für die Führungen in der 1600 Quadratmeter großen Turbinenhalle werden 15 Studenten der Greifswalder Universität eingestellt - zum größten Teil Historiker und Politologen. Zudem werde - wie von den Hamburger Ausstellungsmachern gewünscht - ein Rahmenprogramm organisiert. In der Regel werde es sich dabei um Vorträge und Kulturveranstaltungen handeln, kündigte Zache an. Außerdem werde es im August Weiterbildungsveranstaltungen für Lehrer geben. Arthur Behnke vom ostvorpommerschen Jugendamt kündigte an, dass sein Amt auf Antrag die Transportkosten für Jugendgruppen übernimmt. Dies sei eine gute Ergänzung der Präventionsarbeit, sagte er. Die Ausschussvorsitzende Uta Pauly (PDS) fand im Gremium eine Mehrheit für ihren Vorschlag, ein Empfehlungsschreiben für die Ausstellung an Schulen und freie Träger zu senden. Zache verschwieg natürlich nicht, dass bereits Aktivitäten aus dem ultrarechten Lager gegen die Ausstellung bekannt seien. Gemeinsam mit anderen Organisationen wolle man sich deshalb am 1. Juli um 16.30 Uhr im Museum zusammensetzen, um zu bereden, wie man Zeichen dagegen setzen könnte. Präventionsrat tagt Das überlegen auch die Wolgaster. Wie Giesela Kretschmer vom Präventionsrat informierte, sei für den 26. Juli ein "Fest der Kulturen" geplant. Damit wolle man einer rechten Demo begegnen (wir berichteten) und Toleranz demonstrieren. Kritisch merkte Kretschmer an, dass die jüngste Sitzung des Rates "nicht zufriedenstellend" besucht gewesen sei. Am Mittwoch wolle man erneut über das Fest beraten. Wer sich beteiligen will, kann sich unter 03836 - 251173 melden.

Nordkurier-Usedom

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