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14.06.2003
Molotowcocktails gegen Freikirche - Serie von Brandanschlägen in Neustadt-Glewe
Von Knut Degner, ddp
Brandsätze gegen eine Kirche und Läden in Neustadt-Glewe: gleich eine Serie mysteriöser Anschläge beschäftigt die Polizei im Kreis Ludwigslust.
Auf die Räume der Evangelischen Freikirche wurde in der Nacht zum Freitag innerhalb weniger Tage schon der zweite Anschlag verübt. Gestern Morgen entdeckte Gemeindepastor Gerhard Lewerenz in dem Gebäude eine zerborstene Brandflasche. Die habe offenbar die erste Scheibe eines doppelt verglasten Fensters zerschlagen, sei aber an der zweiten Scheibe abgeprallt und am Boden ausgebrannt. Im Innern des Gemeindesaales lag dann ein zweiter, noch gefüllter Brandsatz, dessen Zünder erloschen war.
Lewerenz vermutet die Täter in Kreisen rechtsextremistischer Jugendlicher aus der Stadt und der Region. Nach Polizeiangaben ermittelt neben der Ludwigsluster Kripo auch der Schweriner Staatsschutz.
Der Freikirche "Gemeinde Gottes" soll nach den Anschlägen nun der Mietvertrag in dem ehemaligen Kulturhaus gekündigt werden. "Die Gemeinde ist jetzt heimatlos und muss sich ein neues Domizil suchen", sagte Lewerenz.
Der andere Mieter, ein Gastro-Unternehmer, der das Haus jetzt erworben habe, fürchte bei einem Verbleib der Kirchgemeinde um die Sicherheit seiner etwa 30 Beschäftigten, sagte Lewerenz. Der Unternehmer habe entgegen ursprünglichen Absichten jetzt angekündigt, den Mietvertrag nicht mehr zu verlängern. "Unsere Gegner hätten es dann geschafft, uns aus der Stadt zu vertreiben", sagte der Pastor. Die Polizei vermutet hingegen, dass das Angriffsziel nicht die Gemeinde ist, sondern eine angeblich linksgerichtete Band, die bis vor kurzem den Gemeindesaal als Proberaum nutzen durfte.
Außerdem hatten gestern Unbekannte eine Brandflasche durch eine Glasscheibe in einen Kiosk am Neustädter See geschleudert. Ein weiterer Brandsatz ist an einem Imbiss in der Innenstadt zerschellt. Der Laden wird nach Angaben der Stadtverwaltung von einem Türken betrieben. Zudem hätten mehrere Müllcontainer gebrannt. Auch hier fehlt von den Tätern bislang jede Spur.
Schweriner Volkszeitung
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