Presse-Schau

worüber wird in den Medien geschrieben?

zurück zu den News

13.06.2003
Erster Schritt in Richtung Versöhnung - Nieparser Präventionsrat packt Projekt zur Zwangsarbeit im Dritten Reich an

Niepars (OZ) Mit dem finanziellen Zuschuss durch die Civitas-Stiftung, eine Bundesstiftung, die sich gegen rechte Tendenzen einsetzt, kann jetzt ein Projekt gestemmt werden, das dem Präventionsrat bereits seit zwei Jahren am Herzen liegt. "Wir wollen einen Schritt in Richtung Versöhnung gehen", erklärt der Vorsitzende Hubert Kaufhold, zugleich Bürgermeister der Gemeinde Niepars. Versöhnung mit Zwangsarbeitern, die zur Zeit des Dritten Reiches auch in Mecklenburg-Vorpommern arbeiteten.

"Uns geht es natürlich vor allem um die Leute, die in unserem Bereich eingesetzt waren", führt Amtsjugendpfleger Benedikt Banaszkiewicz aus. Mit seiner Kollegin Tordis Brandt hat er maßgeblich dazu beigetragen, dass das Projekt nun realisiert werden kann.

Ansatzpunkte, wie dies brisante Thema anzugehen sei, lieferte der Historiker Florian Ostrop, der am Mittwoch vor dem Präventionsrat einen kurzen, intensiven Abriss über Zwangsarbeiter gab. Seit vier Jahren beschäftigt sich der Geschichtswissenschaftler ausschließlich mit diesem Thema. Zahlen in Dimensionen, die niemand für möglich hielt, kamen dabei ins Gespräch. Beim Arbeitsamt Stralsund waren während des Zweiten Weltkrieges 19 332 männliche und 13 931 weibliche ausländische Arbeitskräfte gemeldet. Etwa 90 Prozent dieser Menschen waren Zwangsarbeiter. "Die Zeit, mit den noch 1,5 Millionen Überlebenden in Dialog zu treten, drängt", erklärte Florian Ostrop. "Dieses Thema ist sehr facettenreich. Es muss unbedingt unterschieden werden zwischen deutschen Tätern und deutschen Nutznießern", so Ostrop weiter. "Es gibt durchaus Fälle, in denen die Zwangsarbeiter nach dem Krieg Kontakt zu ihren ehemaligen ,Arbeitgebern' hielten." Ostrop unterstützt bereits ähnliche Projekte wie "Der erste Schritt" in Niepars in ganz M-V.

"Wir stecken noch im Anfangsstadium", so Benedikt Banaszkiewicz. "Doch die ersten wichtigen Schritte sind in die Wege geleitet." Geplant ist zunächst, Zwangsarbeiter ausfindig zu machen, die in der Region Niepars eingesetzt wurden. Die Vergangenheit zeigt, dass auch in diesem Bereich viele Polen, Tschechen, Ukrainer, Franzosen und Menschen anderer Nationalitäten zur Arbeit gezwungen wurden. Allein zwischen 1990 und heute gab es über einhundert Anschreiben an das Amt von ehemaligen Zwangsarbeitern, die sich ihre Arbeitszeit bestätigen ließen.

Das Zweijahresprojekt soll eine breite Basis finden. Die gesamte Bevölkerung und verschiedene Institutionen sollen beteiligt werden. "Es ist uns wichtig, darauf hinzuweisen, dass dies kein reines Jugendprojekt ist", sagt Banaszkiewicz. Der Höhepunkt soll eine Einladung ehemaliger Arbeiter nach Niepars im nächsten Frühjahr sein. Das neu gewählte Kuratorium wird sich jetzt mit den nächsten Schritten auseinandersetzen.

MIRIAM WEBER

Ostseezeitung-Grimmen

diskutieren? auf ins Forum!