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12.06.2003
Von virtuellem Tanz bis Gespräche über Gewalt - Aktionstag "Jugend für Demokratie und Toleranz" an Demminer Berufsschule


Von unserem Redaktionsmitglied Gudrun Herzberg

Demmin. "Ist es der richtige Weg, wegzuschauen, wenn Ausländer bei uns belästigt werden. Oder sollte man eingreifen"?, fragt Sabine Opderbeck vom europäischen Informationszentrum Jugendliche der Beruflichen Schule in Demmin. "Wegschauen ist wohl falsch, aber wenn ich allein bin, gehe ich auch nicht dazwischen", sagt eine der Schülerinnen. Sie habe eigentlich auch nichs gegen die Rechtsextremisten, solange sie nicht handgreiflich werden. "Gestalten statt zuschauen" ist eines von vielen Themen im Rahmen von Workshops am Aktionstag "Jugend für Demokratie und Toleranz".

Zum Thema Rechtsextremismus diskutieren die Jugendlichen mit Vertretern der Jugendorganisationen der Grünen, PDS und Liberalen Partei. Aber so richtig kommt keine Diskussion zwischen Jugendlichen und Gesprächspartnern zusammen.

Auch in der Runde zum Thema "Religionen stellen sich vor" zeigen die Schüler eher wenig Interesse. "Religion spielt im Alltag für mich keine Rolle", meint einer der Jugendlichen. Dennoch zeigen sich einige von den Fragen einer Vertreterin der buddhistischen Klosterschule Ganden Tashi Choeling beeindruckt. "Habt ihr überhaupt Vorstellungen von Religion und deren Funktion?", fragt Lama Tenzin Sagmo Dechen die Jugendlichen. Sie müssen verneinen, zeigen sich aber dann doch interessiert, welche verschiedenen Glaubensrichtungen es gibt. Dieser Aktionstag an der Beruflichen Schule ist ein Teil eines Projektes der Deutschen Gesellschaft. Drei Berufsschulen in Pirna, Bitterfeld und Demmin wurden dafür ausgewählt. Über einen Zeitraum von drei Jahren werden die Schulen von der Deutschen Gesellschaft begleitet, erhalten für die Jugendlichen Qualifizierungsangebote im Ausland. "Für uns ist das ein Baustein im Unterricht", erklärt Schulleiter Rolf Peters gegenüber dem Nordkurier. So gebe es schon Kontakte nach Litauen, wo fünf Schüler die Möglichkeit erhalten, für vier bis sechs Wochen zu arbeiten und zu lernen.

Rhythmen aus fernem Land

Inzwischen haben sich die Jugendlichen für weitere Workshops an diesem Aktionstag entschieden. In fast allen Klassenräumen und in der Aula ist etwas los. Frank Gehren und Christian Borsdorf haben sich für etwas Rhythmisches entschieden. Sie wollen trommeln lernen. Sie treffen sich mit anderen Interessierten in der Turnhalle. Unter fachlicher Anleitung von Mitgliedern der Brasil Percussion Band lernen sie, auf der Trommel und den Agogos zu spielen. Letztere sind zu vergleichen mit metallischen Klangkörpern. "Ich habe schon mal ein bisschen auf einem Schlagzeug geübt, das hat Spaß gemacht, darum habe ich mich für diesen Workshop entschieden", sagt Frank, und schon ertönt das Trommeln. Wie eine große Band stehen alle Beteiligten zusammen und können nach einigen Minuten schon einige Rhythmen spielen.

In einem der Klassenräume erklingt inzwischen virtuelle Musik. Marc Headley aus Barbados und Joaquin La Habana Reyes aus Kuba tanzen für ihr Publikum. Die Jugendlichen sind begeistert. "Am Anfang konnten einige Jungs von uns unter Anleitung Hip Hop tanzen", erzählt Toni Seidel. Aber solche virtuellen Tänze, wie sie von den beiden Tänzern zu sehen sind, hat er noch nicht gesehen. "Diese beiden Tänzer sind einfach krass, cool drauf und können alle irgendwie mitreißen", staunt er. In diesem Workshop sollen die jungen Leute sich Anforderungen stellen, die eigene Grenzen überschreiten und dabei jede Menge Spaß machen. Recht zaghaft versuchen einige, der Trommel ein paar Takte zu entlocken. Zu tanzen, trauen sich eher wenige.

Diskussionsstoff bietet hingegen das Thema Gewalt in der Gesprächsrunde mit dem Präventionsbeamten der Demminer Polizeiinspektion, Karl-Heinz Stegemann. Er zeigt den Jugendlichen strafrechtliche Folgen auf, die eine gefährliche Körperverletzung nach sich ziehen kann. Er bietet ihnen eine weitere Gesprächsrunde zum Thema Drogen- und Suchtgefahr für den nächsten Workshop an der Schule an.

Nordkurier-Anklam

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