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11.06.2003
Neonazis spielen Krieg im Eversdorfer Forst - Paramilitärische Übung bei Jamel - Polizei sucht nach Tatverdächtigen - Bekannter Neonazi untergetaucht
Wismar Nach dem Fund von mehrerer Waffen und militärischen Ausrüstungsgegenständen in der Nähe von Wismar sucht die Polizei nach vermutlich aus der rechten Szene stammenden Tatverdächtigen.
Von Knut Degner, ddp
"Wir vermuteten, dass sich im Kreis Nordwestmecklenburg am Wochenende eine noch unbekannte Gruppierung zu paramilitärischen Aktivitäten getroffen hat", sagte ein Polizeisprecher gestern. In einem Waldstück nahe dem Fundort der Waffen in Jamel war die Polizei auch auf Aushebungen gestoßen, die an Schützengräben erinnerten.
Die Beamten hatten am Sonnabend zwar verdächtige Personen gesichtet, die Fahndung nach ihnen verlief aber erfolglos. Sie seien in der abendlichen Dämmerung entkommen, sagte der Sprecher. Die gefundenen Luftdruckwaffen und zwei Schreckschusspistolen, lagen zusammen mit Rucksäcken und Tarnbekleidung auf einem alten DDR-Militär-Lkw vom Typ Robur. Sie sollen jetzt von Kriminaltechnikern untersucht werden. Ermittelt werde wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, sagte der Sprecher.
Anwohner hatten die Polizei über angeblich scharfe Schüsse im westlich von Wismar gelegenen Eversdorfer Forst informiert. Der Lkw und ein weiterer mit Tarnanstrich versehener Kleintransporter mit offener Ladefläche wurden beschlagnahmt. Beide Fahrzeuge seien fahrbereit, aber nicht zugelassen gewesen. An den Fahrzeugtüren hätten sich Symbole der faschistischen Wehrmacht befunden, sagte der Polizeisprecher.
Das kleinere Fahrzeug soll nach Angaben von Jamels Bürgermeister Fritz Kalf einem Sven K. gehören. K. ist bereits wegen rechtsextremistischer Gewaltdelikte vorbestraft. "In Jamel wohnen seine Angehörigen, er selbst betreibt seit seiner letzten Haftentlassung im benachbarten Petersdorf ein Abriss- und Schrottsammelunternehmen", sagte Kalf. Bis vor kurzem habe es mit ihm jedoch keinen Ärger gegeben. Früher soll Sven K. zusammen mit seinem inzwischen verstorbenen Vater, anderen Neonazis und rechten Skinheads Einwohner in dem 38-Seelen Dörfchen Jamel terrorisiert haben.
"Staats- und Verfassungschutz beobachten Sven K. und sein Umfeld und es wurden in jüngster Zeit Auffälligkeiten registriert", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Christian Lorenz, in Schwerin. Über paramilitärische Aktivitäten von Sven K. sei bislang nichts bekannt geworden. Der Gesuchte ist seit dem Polizeieinsatz offenbar untergetaucht.
Schweriner Volkszeitung
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