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05.06.2003
Ehemaliges Werft-Gebäude in Wolgast wird neues Asylbewerberheim - Land gibt Immobilie in Wolgast aus Kostengründen den Vorzug vor Anklam - Neonazis hetzten auch in Anklam gegen Flüchtlinge

Anklam (sd). Die Entscheidung über den Standort des neuen ostvorpommerschen Asylbewerberheimes ist gefallen - auch wenn die Kreisverwaltung erst bis Ende dieser Woche einen definitiven Bescheid des Landesamtes für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten erwartet: In einem früheren Verwaltungsgebäude der Wolgaster Peenewerft sollen ab Anfang 2004 rund 150 Flüchtlinge untergebracht werden. Dies gehe aus einem letzten Abstimmungs-Fax der Behörde hervor, das jetzt im Landratsamt eingetroffen ist, bestätigte Vize-Landrätin Monika Gehm auf Nachfrage.

Dass sich das Landesamt damit zugleich gegen das Angebot der Anklamer Grundstücks- und Wohnungswirtschafts GmbH (GWA) ausgesprochen hat, die ehemalige Kriegsschule nach jahrelangem Leerstand für die Unterbringung der Asylbewerber herzurichten, liege an den "erheblichen Differenzen" bei den Sanierungskosten, unterstrich Gehm. Denn während die alte Kriegsschule unter Denkmalschutz steht, sei das ehemalige Verwaltungsgebäude in Wolgast "einfacher zu händeln".

In dem Fax des Landesamtes nennt die Behörde nun noch einmal das ihr vorliegende Datenmaterial und bittet den Kreis um Vergleich. Doch die Kostenschätzungen seien so eindeutig, dass der Heim-Standort "definitiv Wolgast wird", sagte die stellvertretende Landrätin.

Unterdessen haben rechtsextreme Kreise gestern in Anklam eine Flugblatt-Aktion gestartet, um Stimmung gegen ein Flüchtlingsheim in Anklam zu machen. Die Verfasser haben sich den Namen "Bürgerinitiative 'Sicherer wohnen in Anklam'" gegeben. "Das riecht sehr nach bezahlten Jungs, die das Heim in Wolgast haben wollen", kommentierte GWA-Geschäftsführer Lothar Salzsieder die inhaltliche Tendenz.

Pikant dabei: Der genannte Verfasser Michael Vedder ist in Wolgast bereits mehrfach als Mitinitiator der dortigen Initiative "Schöner wohnen in Wolgast" aufgetreten. Diese Gruppe wiederum will ein Wohnheim in dem früheren Werft-Gebäude verhindern. Mit einer Unterschriftenaktion, so der Vorwurf des dortigen Bürgermeisters Jürgen Kanehl (SPD) habe die Initiative die Bürger "massiv manipuliert"; so waren etliche der Unterzeichner entweder keine Wolgaster oder gar nicht existent.

Nordkurier-Anklam

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