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05.06.2003
Mit Swing gegen die Nazis rebellieren - Kiez-Musical feiert Sonnabend im Rostocker Volkstheater Premiere
Kröpeliner-Tor-Vorstadt (OZ) "Taschentücher mitbringen", rät Johanna Schall dem Publikum für die Premiere von "Swinging St. Pauli". Die Schauspieldirektorin hat das Musical - uraufgeführt 2001 im "Schmidts Tivoli" Theater Hamburg - inszeniert, Sonnabend um 19.30 Uhr im Großen Haus ist es erstmals in Rostock zu sehen.
Johanna Schall sagt: "Es ist sehr, sehr schön." Die Geschichte spielt im Nazi-Deutschland, Anfang der 40er-Jahre. Leos Bar in St. Pauli ist der fast tägliche Treffpunkt von jungen Leuten, die Swing hören und dazu tanzen wollen. Oskar Leonhardt führt die Kneipe am Rande der Legalität, die Nazis haben die "Affenmusik" aus Amerika und England verboten. Die Swing-Kids dagegen wollen gegen den Gleichtakt der Marschmusik angehen, rebellieren mit ihrer Lebensfreude gegen ein starres System.
"Die Story ist einfach, aber nicht flach", erklärt die Schauspieldirektorin. Der Wunsch der Jugendlichen, sich aus gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen rauszuhalten, werde widergespiegelt. Dann kommt ihnen die Realität ins Gehege: Die Jungs werden an die Front beordert, einer von ihnen verliebt sich in ein jüdisches Mädchen. "Sehr anrührend, aber ohne Fingerzeig", konstatiert Frau Schall. Das Stück sprühe vor Kraft und Lebensfreude.
"Und die Musik ist supergeil." Viele der Titel hätten Ohrwurm-Qualitäten und einen heftigen Rhythmus, ließen sich schnell mitsummen. Besonders freut sich Johanna Schall, dass sie Andreas Pasternack als Leiter der Begleitband gewinnen konnte. Sie sagt: "Er ist nicht nur Rostocks bester Swing-Musiker!" Der Saxofonist stellte eine sechsköpfige Gruppe zusammen. Die Choreografie erarbeitete Romy Hochbaum, Dozentin für Bewegung an der Hochschule für Musik und Theater. "Zum Glück haben wir sehr musikalische und bewegliche Darsteller im Ensemble", erzählt die Regisseurin. Die Inszenierung wird abgerundet durch eine "verrückte Showbühne" von Horst Vogelsang, "schönes" Licht und satt-farbige Kostüme von Jenny Schall.
Für "Swinging St. Pauli" lüftet sich der letzte Premierenvorhang dieser Spielzeit im Großen Haus. Nach der Aufführung, gegen 22 Uhr, soll - je nach Wetterlage - vor oder im Volkstheater ein Sommerfest steigen. Die Pasternack-Band mit Sängerin Jacqueline Boulanger wird spielen.
JENNY KATZ
Ostseezeitung-Rostock
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