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04.06.2003
Über Kultur gegen Rechtsradikalismus diskutiert - Regionale Praxistagung thematisiert in Anklam Prävention


Von unserem Redaktionsmitglied Matthias Maaß

Züssow. Wie kann eine "Kraft der Gegenkultur" aussehen? Was kann sie bei der Bekämpfung von Rechtsradikalismus leisten? Gerade, wenn dieser sich im Internet, in der Musik, in Symbolen oder in Parolen ausbreitet? Die knapp 60 Teilnehmer der "Regionalen Praxistagung zur Präventionsarbeit in Vorpommern 2003" suchten gestern im Züssower Wichernhaus Antworten darauf. Eingeladen zu der Veranstaltung hatten der Verein "Bunt statt Braun Anklam" (BSB) und die Arbeitsgemeinschaft Netzwerke gegen Rechtsextremismus. "Wir wollen gerade Sozialarbeiter und Lehrer erreichen, die ja in ihrer täglichen Arbeit oft mit rechtsextremen Erscheinungen zu tun haben", sagte Günther Hoffmann vom BSB am Rande der Veranstaltung. Tatsächlich waren unter anderem vertreten: die Berufsschule und das Kulturamt Wolgast, die Regionalschulen Krien und Karlshagen, der Arbeiter-Samariter-Bund Ostvorpommern, der Präventionsrat Greifswald, die Beschäftigungsgesellschaft Usedom West, der Kirchenkreis Greifswald, ebenso die PDS-Fraktion der Hansestadt.

In den fünf Workshops konnten sich die Teilnehmer nicht nur mit rechtsextremer Agitation auseinander setzen oder die äußeren Merkmale der rechten Szene besser kennen lernen, sondern auch die Wirkungen rechter Musik erfahren und die Nutzung des Internets durch Rechte studieren.

Gerade auch Vorpommern sei zum Beispiel ein Schwerpunkt für Live-Konzerte rechter Gruppierungen, schätzte Henning Flad, einer der Workshop-Leiter, ein. Außerdem würden an vielen Schulen in der Region CD's der Neonazi-Band "Landser" kursieren. Und Klamotten, Embleme, Tonträger oder Magazine würden sogar ganz legal in einem Anklamer Geschäft zu haben sein.

Der sei zugleich ein sozialer Treff für die hiesige Szene. Überhaupt würde Vorpommern mit den Kameradschaftsbünden Anklam, Wolgast und Usedom eine Hochburg rechter Gruppierungen sein, meinte eine Koordinatorin der AG Netzwerke. In Salchow gebe es sogar einen privaten Bauernhof, den Neonazis für Schulungen nutzen. "Wir haben jede Menge Erfahrungen ausgetauscht", resümierte Piet Oltmanns vom BSB Anklam. Seiner Ansicht nach müsse man rechtsextremen Reden mit dem "Tai-Chi-Prinzip" begegnen. Also die "argumentative Kraft des Gegenübers auf diesen zurücklenken."Gefördert wurde die Praxistagung wie schon das Vorgängerseminar im November 2002 durch Civitas, ein Modellprogramm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Nordkurier-Anklam

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