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04.06.2003
Jugendliche nicht mehr so gewaltbereit - Langzeitstudie mit Greifswalder Neuntklässlern

Greifswald (OZ) Unter den Jugendlichen der Hansestadt hat sich in den zurückliegenden vier bis fünf Jahren ein beachtlicher positiver Wandel in den gewaltbezogenen Orientierungen und Verhaltensweisen vollzogen hat. Bei fremdenfeindlichen und rechtsextremen Einstellungen kann sogar von einem tiefgreifenden Wandel gesprochen werden. Dieses Resüme zog Prof. Frieder Dünkel vom Lehrstuhl für Krimonologie, der am Montagabend der Bürgerschaft die Ergebnisse einer Langzeitstudie zur Lebenssituation und Straffälligkeit von Jugendlichen in der Hansestadt und damit einher gehende erste Schlussfolgerungen vorstellte. In einem Zeitraum von vier Jahren - 1998 bis 2002 - wurden anonym Neuntklässler aus allen Greifswalder Schulen befragt. 1998 beteiligten sich an der Befragung 1500 Schüler, 2002 waren 724 Schüler.

So ist besonders bei Nichtgewaltdelikten wie Ladendiebstahl ein Rückgang unter den Neuntklässlern um rund 14 Prozent zu verzeichnen. Auch bei der Opfererfahrung durch Gewalt ist ein leichter Rückgang feststellbar. Dennoch darf das laut Prof. Dünkel nicht darüber hinweg täuschen, dass nach wie vor die Gewalterfahrungen der Jugendlichen im innerfamiliären Bereich ein ernsthaftes Problem darstellen. Etwa neun Prozent der Jugendlichen waren bzw. sind in der Kindheit Opfer von schweren Misshandlungen durch die Eltern geworden. Zwar ging die Rate bei leichten Züchtigungen um mehr als 25 Prozent zurück, bei schweren Gewalthandlungen der Eltern ist der Anteil jedoch gleichbleibend hoch.

Auch bei den fremdenfeindlichen Einstellungen sind die Erfolge zwar unübersehbar, dennoch ist noch immer jeder 10. (!) Greifswalder Jugendliche in diesem Alter stark rechtsextrem eingestellt. Im Vergleich mit Studien aus anderen Städten vergleichbarer Größenordnung ist dieser Anteil viel zu hoch. Hinzu kommen die unverändert gebliebenen sechs Prozent extrem gewaltbefürwortender Jugendlicher und eine reale Gewalt-Jahresprävalenzrate von rund 16 Prozent. Das sind beachtliche Größen. Ein Nachlassen der präventiven Bemühungen in der Hansestadt wäre deshalb eine völlig falsche Schlussfolgerung mit fatalen Folgen.

Wie die von Prof. Dünkel geleitete Studie deutlich macht, geben die Ergebnisse sehr viele Hinweise für Ansatzpunkte vor allem in den Haupt- und Realschulen sowie in den Regionalschulen, da dort das Konfliktpotential geballt aufeinander trifft. Als besondere Herausforderung wird außerdem der Kampf gegen Gewalt und körperliche Misshandlungen in den Familien angesehen, wo neue präventive Überlegungen nötig sind.

CORNELIA MEERKATZ

Ostseezeitung

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