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04.06.2003
Die Deutschen von einer neuen Seite erlebt - Nachbarn halfen Togolesen aus Malchin nach Wohnungsbrand


Von unserem Redaktionsmitglied Torsten Bengelsdorf

Malchin. Die Aufregung war groß vor drei Wochen, als aus einer Wohnung in der Rudolf-Fritz-Straße dichter Qualm drang. Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an, so wie es üblich ist bei Bränden in Wohnvierteln. Es war die Wohnung einer Afrikaner-Familie, in der der dreijährige Sohn mit einem Feuerzeug gespielt hatte. Ausgerechnet eine Familie, die ohnehin allein schon wegen ihrer Hautfarbe nicht immer gerade freundlich aufgenommen wird in Deutschland. Dabei sei ihm das Land eigentlich sehr sympathisch, berichtet Hadamah Olustunde Liasu. Auf der Ebene der Politik sei man sehr gastfreundlich zu seinen Landsleuten. Doch im wirklichen Leben sieht das etwas anders aus. Er und seine Frau Zina seien manches Mal schon als "Affen" beschimpft worden. Einmal sei ihnen sogar die Tür eingeschlagen worden. Von einem jungen Mann, der später bei der Polizei schilderte, dass er im Alkoholrausch nur einmal ausgerutscht sei.

Wohl fühlen sie sich nicht in Deutschland, eher isoliert, berichtet die aus dem westafrikanischen Togo stammende Familie. Dorthin würden sie mit ihren drei kleinen Kindern auch sofort wieder zurückkehren. Allerdings ist sich Hadamah Olustunde Liasu ziemlich sicher, das man ihn wohl gleich auf dem Flughafen seines Landes verhaften würde.

Protest gegen Diktator

Denn der junge Mann arbeitet für die Opposition seines Landes, schreibt von Deutschland aus Zeitungsartikel gegen das Regime von Diktator Gnassingbe Eyadema, dem "Sadam von Togo", wie ihn Liasu nennt. Auch Protestkundgebungen gegen den Diktator, der sich am vergangenen Wochenende gerade wiederwählen ließ, unterstütze er. Wie gefährlich es für ihn in seiner Heimat sei, zeige das Beispiel einiger Freunde, die nach Togo zurückgekehrt waren. Und von denen er nie wieder etwas gehört habe.

Sein Asylantrag liege seit elf Jahren bei den deutschen Behörden, ohne dass er endgültig entschieden worden sei. "Die deutsche Regierung wartet wohl ab, was aus meinem Land wird", vermutet Liasu. Seiner Frau, die er in Deutschland kennengelernt hat, geht es ähnlich. Sie war im Togo festgenommen worden, weil sie sich regimefeindlich geäußert hatte.

Nach drei Jahren Aufenthalt in einem deutschen Asylbewerberheim steht den Afrikanern eine richtige Wohnung zu. Familie Liasu kam nach Malchin.

Nach dem Brand vor drei Wochen lernten die Beiden die Deutschen von einer neuen Seite kennen, von der hilfsbereiten. Eine deutsche Freundin half beim Beschaffen von neuen Möbeln, Kleidung wurde gespendet. Die Wohnungsgesellschaft habe problemlos eine neue Wohnung nur einige Aufgänge weiter zur Verfügung gestellt. Auf dem Tisch der Familie liegt ein Schreiben der Kindertagesstätte "Sonnenkäfer", die die Kinder besuchen. "Durch einen Brand haben Sie sehr viel verloren. Wir möchten Sie mit einer kleinen Spende unterstützen, und wir möchten Ihnen Mut für die Zukunft machen", schreiben darin Eltern und Erzieher der Kita. Unter anderem einen Tisch und einen Teppich haben sie gebracht.

Über Kurzwelle aus dem Radio hat Hadamah Liasu unterdessen das Ergebnis der Präsidentschaftswahl erfahren, bei der am vergangenen Wochenende internationale Beobachter nicht zugelassen waren: 59 Prozent für den Diktator, der schon jetzt der am längsten regierende Staats-Chef in Afrika ist. Seinen demokratisch gewählten Vorgänger hatte er 1963 erschlagen lassen.

Nordkurier-Malchin

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