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30.05.2003
Yaakov Zur besucht Rostock heute ohne Bedenken - Jüdischer Autor im Max-Samuel-Haus zu Gast
Steintor-Vorstadt (OZ) Der jüdische Autor Dr. Yaakov Zur besuchte dieser Tage das Max-Samuel-Haus. In der jüdischen Begegnungsstätte stellte er seine Autobiografie vor. In "Die Welt ist eine schmale Brücke" beschreibt der in Rostock geborene Israeli Erinnerungen und Begegnungen aus seinem bewegenden Leben. Unter den Besuchern: Freunde und Bekannte des Ehrenbürgers der Stadt. Zurs Vita zollten die Gäste mit grenzenloser Bewunderung Respekt. Der 79-jährige Kibbuz-Bewohner war zu Tränen gerührt "Der Zuspruch lässt mich wissen, dass alles, was ich getan habe, großen Wert hat."
1924 wurde Alfred Jaques als ältester Sohn von Perle und Heinz Zuckermann in Rostock geboren. Die jüdische Familie musste immer wieder ihre Sachen packen. Von der Langen Straße zogen sie 1926 in die Lagerstraße, 1933 in die Steinstraße. Jedesmal gelang es nichtjüdischen Hausmitbewohnern, die Zuckermanns zu vertreiben. Dann zog die sechsköpfige Familie - die Brüder Max und Louis sowie Schwester Ruth wurden mittlerweile geboren - in das Judenhaus in der Langen Straße 72.
"Als jüdischer Junge hatte man damals keine unbeschwerte Kindheit", erinnert sich Yaakov Zur. Er beschreibt, wie nichtjüdische Kinder ihn vom Spielplatz vertrieben und seine Mutter zu ihm sagte: "Sei ruhig, mein Schatz, sonst bekommen wir Probleme. Ein Jude muss schweigen." Der kleine Alfred Jaques von damals ist Yaakov Zur. Heute lebt er im Kibbuz Ein Hanatziv in Israel. Mit 15 Jahren flüchtete er mit den Brüdern nach Palästina, für ihn ein "Weg nach Hause". Der Vater konnte nach England auswandern, Mutter und Schwester starben in den Gaskammern des Konzentrationslagers Auschwitz. Mit 40 Jahren begann Zur das Studium deutscher und jüdischer Geschichte. Noch heute unterrichtet er an der Bar-Ilan-Universität in Ramath Gan.
Yaakov Zur schrieb seine Autobiografie mit der Unterstützung der Rostocker Publizistin Dr. Christine Gundlach, die seit Mitte der 90er-Jahre im Max-Samuel-Haus arbeitet. Zweieinhalb Jahre schrieben sie am Werk, in das auch Befragungen der Wegbegleiter des 79-Jährigen einflossen. Bekannte und Freunde des Kibbuz-Bewohners erzählen, was sie von ihm lernten, wie sehr sie ihn schätzen und lieben.
Yaakov Zur war 1990 Mitbegründer des Max-Samuel-Hauses und ist Vorstandsmitglied auf Lebzeit. "Das Haus würde es ohne ihn nicht geben", weiß Leiter Frank Schröder. "Bis heute engagiert er sich immens für uns, versteht es Probleme zu lösen, hat klare Vorstellungen und immer einen guten Rat." Über 20 Vorträge hat der Israeli in der Begegnungsstätte bisher gehalten. "Heute komme ich ohne Bedenken nach Rostock", sagt Zur. Als er 1987 zum ersten Mal seine Geburtsstadt besuchte, kostete es ihn große Überwindung. Sein Buch hat er seiner Familie gewidmet, vor allem seiner Frau Esther, die im vergangenen Frühjahr starb.
In der Ausstellung des Samuel-Hauses "100 jüdische Persönlichkeiten aus Mecklenburg-Vorpommern" ist Zurs Buch erhältlich.
VIRGINIE HOTASS
Ostseezeitung-Rostock
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