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24.05.2003
RAA wird geehrt und steht vor dem Aus - Interkulturelle Arbeit gegen Rassismus wird mit neuem Zuwanderungsgesetz "nicht mehr benötigt"
Stadtmitte (OZ) Die Regionale Arbeitsstelle für Jugendhilfe, Schule und interkulturelle Arbeit Rostock (RAA) wurde gestern in Berlin mit dem Preis "Botschafter der Toleranz 2003" ausgezeichnet. Die Preisträger "haben in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld Verantwortung übernommen", sagte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), der den mit 5000 Euro dotierten Preis überreichte. Neben der RAA wurden drei weitere Initiativen für ihr zivilgesellschaftliches Engagement geehrt.
Für Schily war es nicht die erste Begegnung mit dem Verein aus Rostock: Vor zwei Wochen übergab er drei ehrenamtlichen RAA-Mitarbeiterinnen eine Auszeichnung im Rahmen des Viktor-Klemperer-Wettbewerbs - für einen Videofilm, der sich kritisch mit den Lebenbedingungen von Ausländern in Rostock auseinandersetzt.
Vor allem über das Preisgeld freuen sich die Aktivisten, denn seit Anfang des Jahres hat die Hansestadt alle Zahlungen eingestellt. Ein Fördermitttelantrag für 2003 wurde abgewiesen. "Die Begründung war dubios", sagte gestern RAA-Koordinatorin Jana Hoffmann. In der Begründung des Jugendamtes habe es geheißen, dass die Arbeit des Vereins durch das Zuwanderungsgesetz nicht mehr benötigt werde. Zudem würden Koordinierungaufgaben, wie sie RAA auch leistet, nicht mehr unterstützt. Zurzeit läuft ein Widerspruchsverfahren.
Die Arbeitsstelle bietet unter anderem Schulungen für Immigrantenkinder und Jugendliche an. Ziel ist das friedliche Zusammenleben, trotz Herkunft aus verschiedenen Ländern. "Wir arbeiten auch auf Abruf", sagt Jana Hoffmann. Treten an einer Schule Probleme mit fremdenfeindlichem Hintergrund auf, werden die Mitarbeiter aktiv. Der Verein mit Sitz in der Wendenstraße beschäftigte bis Ende 2002 eine hauptamtliche Mitarbeiterin und viele ehrenamtliche Helfer. 2001 bekam die Initiative 30 000 Euro von der Hansestadt. Das Geld war Voraussetzung, um weitere Fördermittel einwerben zu können. Eine viertel Million Euro kam so 2001 zusammen. Durch den Wegfall der kommunalen Gelder steht der Verein vor dem Aus. Hoffmann kritisiert insbesondere das Verfahren: Der Jugendhilfeausschuss wurde nicht angehört, obwohl dies rechtlich vorgeschrieben sei.
Jugendamtsleiter Georg Horcher sieht die Sache anders: Die RAA habe ihr Konzept geändert, der Antrag sei daher aus "fachlichen Gründen" abgelehnt worden. Aus der bundesweiten Anerkennung "leitet sich nicht automatisch ab, dass wir gezwungen sind, weiter zu fördern", sagte Horcher gestern.
Ostseezeitung-Rostock
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