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16.05.2003
Holocaust ist für viele Jugendliche ein Fremdwort - Schüler aus MV und Brandenburg besuchten Konzentrationslager Ravensbrück

OZ-Bild

Schüler aus Brandenburg und M-V pflegen in Ravensbrück das Rosenbeet an einem Massengrab im einstigen Frauen-Konzentrationslager am Schwedtsee.

Ribnitz-Damgarten (dpa) Der Schwedtsee glitzert in der Sonne. Am gegenüberliegenden Ufer schmiegt sich Fürstenberg (Oberhavel) in die Landschaft. Doch die Idylle erschreckt. Eine Gruppe 15-Jähriger steht an dem Ort, wo Nationalsozialisten vor sechzig Jahren die Leichen von Zwangsarbeiterinnen verbrannten. Sie hatten die unmenschlichen Zustände im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück nicht überlebt.

"Der See ist ein Friedhof", erzählt Matthias Heyl, Pädagogischer Leiter der Jugendbegegnungsstätte in der Mahn- und Gedenkstätte. Die Asche der Toten sei hinein gestreut worden. Betroffen lauschen die Jugendlichen aus Brandenburg und M-V. Gemeinsam mit ihren Klassenkameraden und Lehrerinnen sollen die Schüler zweier neunter Klassen aus Potsdam und Ribnitz-Damgarten etwas über Deutschlands düsterstes Kapitel erfahren.

"Den jungen Menschen wird Geschichte nicht über Bücher, sondern über das Gefühl, direkt am Ort des Geschehens zu sein, nahe gebracht", erläutert Brandenburgs Landtagspräsident Herbert Knoblich. Gemeinsam mit Amtskollegin Sylvia Bretschneider aus M-V betreut er das Projekt.

In dem KZ, das die SS als Schutzhaftlager für Frauen errichtete, waren 132 000 Frauen und Kinder inhaftiert. Zehntausende kamen ums Leben.

Höhepunkt des ersten Projekttages ist das Treffen mit Überlebenden des Lagers. Batsheva Dagan (77) ist aus Israel angereist. Die Jüdin polnischer Abstammung schildert, wie sie mit 15 Jahren ins Gefängnis kam, in Auschwitz und in Ravensbrück inhaftiert war. Ihre Schwester und ihre Eltern wurden in Treblinka vergast.

"Wenn ihr das Wort Holocaust hört, was kommt euch in den Sinn?", will Dagan wissen. "Gar nichts", "Ich weiß nicht", lauten die Antworten. "Nazis" oder "Etwas Schlimmes", sagen andere. Niemand aber nennt den Völkermord an sechs Millionen Juden.

"Die Schüler wissen mit dem Begriff nichts anzufangen", stellt Heyl fest. Teilweise wüssten sie sehr wenig über die Opfer des Nationalsozialismus, gibt die Potsdamer Lehrerin Gabriela Kühne zu.

Zum Schluss gehen die Schüler noch ein Stück des Todesmarsches der Häftlinge. Kurz vor Ende des Krieges trieb die SS zehntausende Inhaftierte Richtung Nordwesten, bevor die Rote Armee am 30. April etwa 3000 zurückgelassene Kranke befreite.

K. KLINKUSCH

Ostseezeitung

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