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16.05.2003
CIVITAS-Projekt in Lassan nun doch ohne Fortführung - Geldgeber fordern konkretere Ausrichtung gegen Rechts
Lassan (OZ) Das in Lassan vom Bundesministerium finanzierte CIVITAS-Projekt steht nun offensichtlich doch vor dem endgültigen Aus. Nachdem die Arbeit des Sozialarbeiters Bernhard Weber Anfang Februar zunächst wegen nicht freigegebener Mittel aus dem Bundeshaushalt ausgesetzt worden war (OZ berichtete), sagte Weber auf OZ-Nachfrage jetzt: "Das CIVITAS-Projekt wird nicht weitergehen".
Grund dafür sind offensichtliche Meinungsverschiedenheiten darüber, wie am wirksamsten rechtsextremem Gedankengut entgegenzutreten ist. Dass es das latent in dem verschlafenen Städtchen am Peenestrom gibt, bestreiten weder Weber, noch Bürgermeister Heino Repkowski (PDS) oder Pastor Philipp Graffam. Aber: "Das Thema frontal anzugehen, ist hier nicht richtig", ist Weber überzeugt, der sich 2001 aus Iserlohn auf die damals ausgeschriebene Stelle des Gemeinwesenarbeiters bewarb. In der Folge begann er überaus sensibel, die Lassaner zu aktivieren und zu interessieren für ihr unmittelbares Lebensumfeld. Nach einer Fragebogenaktion unter dem Motto "Leben in Lassan" und in Gesprächsrunden formten sich so u. a. Aktionsgruppen, die beispielsweise gemeinsam langjährige Dreckecken des Städtchens beseitigten. Bis zu 30 Leute verschiedensten Alters und unterschiedlichster Schichten begannen, sich für das, was in ihrer Stadt geschieht, stärker zu interessieren.
Bei den Geldgebern in Berlin, der Servicestelle CIVITAS/Anadeu Antonio Stiftung, stieß das nicht hundertprozentig auf Zustimmung. Eineinhalb Jahre nach Projektstart wollte man dort sehen, dass die Gemeindesozialarbeit nun in konkretere Projekte unter dem Motto "Demokratie und Toleranz" übergeht. "Da gab es gute Ideen von Herrn Graffam und Herrn Weber zu einem Theater- und einem Radioprojekt, als wir das letzte Mal darüber sprachen", berichtete Ute Seckendorf, CIVITAS-Projektleiterin in Berlin auf OZ-Nachfrage. Seit Wochen allerdings wartet sie vergeblich auf einen modifizierten Folgeantrag des neuen Projektträgers. Der heißt inzwischen evangelische Kirchengemeinde, die den bisherigen Träger, den Verein "Arbeit für Ostvorpommern" bereits im Februar im gegenseitigen Einvernehmen abgelöst hat. Gestern allerdings verstrich der zum zweiten Mal verlängerte Antragstermin, ohne dass Post aus Vorpommern in Berlin eingegangen war.
Nicht ohne Grund. Neben zeitlichen Problemen, die sowohl Weber als auch Graffam zugaben, glauben offenbar beide nicht daran, dass sie den Forderungen der CIVITAS-Servicestelle gerecht werden können. "Die Gegenkultur zum Rechtsextremismus mit Plakaten, Gesprächsrunden oder Demos zu stärken, funktioniert in so kleinen Orten wie Lassan nicht. Hier bedarf es eben der Umwege", ärgert sich Pastor Graffam.
Damit aber ist er gar nicht weit von den Vorstellungen der CIVITAS-Servicestelle entfernt, wie Ute Seckendorf nachdrücklich betont. Bis 2005 stehen weitere Gelder zur Verfügung für konkrete Vorhaben. Ein solches könnte beispielsweise ein Geschichtsprojekt mit der Schule sein, das sich Peenemünde widmet oder einem Theaterthema dazu. "Demokratie und Toleranz" heiße die Klammer in die sich die Vorhaben lediglich einordnen müssen. Insofern macht Ute Seckendorf Weber und Graffam Mut, ihre Anliegen in einem neuen Antrag unterzubringen. Zeit dazu ist genug, denn allerletzter Antragschluss ist der 15. August.
ANTJE MÜHLE
Ostseezeitung-Wolgast
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