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16.05.2003
Maulkorb für amnesty - IGA-Rechtsabteilung fürchtet Gefährdung des China-Beitrags
Für heute wurde amnesty international auf die IGA in den Weidendom eingeladen, um unter dem Motto "Blumen für die Menschenrechte" unter anderem auf das Schicksal des seit 14 Jahren in Tibet/China inhaftierten Mönches Ngawang Gyaltsen aufmerksam zu machen. Seinerzeit zu 17 Jahren Haft verurteilt, weil er die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" (UNO 1948) in seine Sprache übersetzt und verbreitet hatte. Die Aktion sollte konkret so aussehen: Stündlich sollten vom Tonband ausgewählte Artikel der Menschenrechte auf Tibetisch vorgelesen werden. Auf Plakaten wäre die Arbeit von amnesty international am Beispiel der Ortsgruppe Rostock und anhand ausgewählter Projekte dargestellt, u. a. die Bemühungen um die Freilassung Ngawang Gyaltsen. Die Besucher hätten außerdem Papierblumen basteln können, die als Zeichen der Solidarität ans Drapchi-Gefängnis in Lhasa geschickt worden wären.
Die Rechtsabteilung der IGA 2003 in Rostock hat amnesty international bei der geplanten Veranstaltung im Weidendom jeden Hinweis auf den Tibet/China inhaftierten Mönch Ngawang Gyaltsen untersagt. Man fürchte die Gefährdung des chinesischen Beitrages. Außerdem bestehe die Gefahr der Nachahmung. "Andere Aussteller oder beteiligte Organisationen würden ebenso darauf bestehen, auf existierende Missstände hinweisen zu können. Dies will die IGA auf jeden Fall unterbinden", so die IGA-Rechtsabteilung.
Anne Raphael, Sprecherin der Rostocker amnesty-Gruppe, reagierte mit Unverständnis und Bedauern auf den Maulkorb aus der IGA-Leitung. "Wir werden uns nicht von unserem Anliegen distanzieren, öffentlich und in angemessener Form für die Menschenrechte einzutreten", erklärte sie. "amnesty international wird unter diesen Bedingungen nicht auf der IGA mitarbeiten. Die geplante Aktion wird im Sommer an einem anderen öffentlichen Ort durchgeführt."
Norddeutsche Neueste Nachrichten
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16.05.2003
Amnesty International steigt bei IGA aus
Rostock (OZ) Die Rostocker Ortsgruppe von amnesty international (ai) beteiligt sich nicht mehr an der Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) und spricht von einem "Maulkorb" wegen des Verbots china-kritischer Proteste. Mitglieder der Menschenrechtsorganisation wollten heute im Weidendom von "Kirche auf der IGA 2003" auf das Schicksal des in Tibet inhaftierten Mönches Ngawang Gyaltsen hinweisen.
Die IGA-Gesellschaft sagte diese Aktion ab. Sie "kann auf der IGA nicht stattfinden, obwohl die Aktion zu begrüßen ist", heißt es in einem internen Schreiben der IGA-Rechtsabteilung, das der OZ vorliegt. Der Ausstellungsbeitrag Chinas sei durch die ai-Aktion gefährdet. Weitere Aussteller könnten dem Beispiel folgen und ebenfalls auf Missstände hinweisen. "Dies will die IGA aber auf jeden Fall unterbinden", so das Schreiben.
Politische Veranstaltungen seien laut Hausordnung "nicht zulässig", sagte gestern IGA-Sprecher Michael Langenstein - "egal ob rechts oder links". Er bedauere den "Sturm im Wasserglas" und bittet um Verständnis. Schließlich sei "die IGA eine Demonstration für Frieden". Dies zeige das friedliche Miteinander verfeindeter Länder wie Indien und Pakistan. Politische Botschaften auf sechs Meter großen Transparenten - wie von ai beabsichtigt - seien nicht zulässig.
Laut Christian Tiede, Geschäftsführer von "Kirche auf der IGA", steht seit sechs Wochen fest, das die ai-Aktion nicht stattfinden wird. Sie wurde schon nicht mehr in das Programmheft aufgenommen. Tiede kritisiert das Verhalten der ai-Ortsgruppe als überzogen.
G. KLEINE-WÖRDEMANN
Ostseezeitung-Rostock
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