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12.05.2003
Schauplatz Markt - Bücherverbrennung vor 70 Jahren war Thema im Greifswalder Koeppen-Haus

Greifswald (OZ) Zum Verdienst der Vorträge über die Bücherverbrennungen in Deutschland vor 70 Jahren gehörte es, dass dieser Akt offensichtlicher Dummheit ausdrücklich für einen Ort beschrieben wurde, an dem er geschah: der Greifswalder Markt. Aus Anlass des 10. Mai 1933 hatte am Samstag die Friedrich-Ebert-Stiftung die Universitätsdozenten Karl-Heinz Borchardt, Volker Depkat und Michael Gratz gebeten, einzelne Aspekte des schwer nachvollziehbaren Ereignissses zu beleuchten.

Die Jahreszahl 1933 ist symbolisch verbunden mit dem Beginn der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten. Vielen ist bis heute unklar, mit welchen Mitteln das in der Anfangszeit noch ungefestigte Regime seine späteren Machtfülle erlangen konnte. Der Historiker Depkat strich heraus, dass dies nicht durch Politik, sondern durch ein "Monopol der Abzeichen" im Alltag geschah. "Der sichtbaren Veränderung des öffentlichen Raumes" durch Uniformen, Zeremonien, Fahnen oder Aufmärsche "ist es nie ganz gelungen, die nackte Gewalt zu verschleiern", so Depkat. Im ersten halben Jahr der Regierung Hitlers spielte die Zeremonie der Bücherverbrennung eine wesentliche Rolle.

Natürlich fand sie nicht nur in Greifswald statt. In fast allen deutschen Universitätsstädten gab es ähnliche Spektakel. Ausschließlich in Universitätsstädten, denn diese Aktion war eine Idee der Studentenschaft. Zwar hatten die Nazis schwarze Listen mit in ihren Augen verwerflichen Büchern veröffentlicht, es gab aber weder die offizielle Anordnung, Bibliotheken und Buchläden zu plündern, noch einen Zwang, sich daran zu beteiligen. Eine Erklärung, wie die Stimmung entstanden war, in der eine solche Idee diese Wirkung zeigte, blieben auch die Vortragenden schuldig. Die Germanisten Borchardt und Gratz setzten sich mit der Rolle von damaligen Germanisten auseinander. Die Besonderheit Greifswalds ist, dass jene hier in Sonderheften der Blut-und-Boden-Texte deutscher Schriftsteller huldigten, während Bücher der Moderne brannten.

Das Bild brennenender Bücher hat sich später mit dem brennender Leichen verbunden. Verbrannt wurde wirklich aber Immaterielles - die Freiheit zu denken und zu reden, das Recht auf Individualität.

D.WEISS

Ostseezeitung-Greifswald

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